Fröhliche Rätselstunde – GASTBEITRAG CHIN MEYER, FINANZKABARETTIST

6. November 2020

GASTBEITRAG CHIN MEYER, FINANZKABARETTIST

Fröhliche Rätselstunde

Liebe Freunde des finanziellen Humors, hier ein Rätsel: Was verbindet die Lufthansa und Wirecard? Richtig: Beide finanzieren sich über „Luft-Buchungen“ in Milliardenhöhe. Unterschied: bei der Lufthansa gibt es dafür immerhin Gutscheine.

 

Wirecard hat 1,9 Milliarden Euro auf den Philippinen erfunden – das passiert eben, wenn ein Konzern nicht begreift, dass er zwar Zahlungsabwickler ist, aber deshalb noch lange nicht EZB heißt!

 

Nächstes Rätsel

Was verbindet die Finanzaufsicht BaFin mit einem Vierjährigen? Richtig: Beide glauben an Magie. Und dass der nette Onkel doch noch ein Kaninchen oder eben 1,9 Milliarden Euro aus dem Hut zaubert. Unterschied: Der Vierjährige ist realistischer. Gegen die Blindheit der BaFin ist dagegen sogar Stevie Wonder ein Adlerauge!

Die Bilanzen von Wirecard waren dermaßen homöopathisch verdünnt – der einzige „German Global Player“ am Finanzmarkt hätte eigentlich „German Globuli Player“ heißen müssen. Die Aktie wird demnächst in Apotheken gehandelt: „Wirecardia Hochpotenz M-1,9 Milliarden“: hilft gegen deutsche Sparer am Aktienmarkt!

Viele Wirecard-Anleger fragen sich in diesen angespannten Zeiten verzweifelt: Was tun gegen Schlafstörungen? Verzweifelt probiert man alles aus: Man zählt bis drei – oder halb vier… Liest das Kleingedruckte einer Reisegepäckversicherung – in der Hoffnung, wenn schon nicht vor Langeweile zu sterben, doch wenigstens todmüde zu werden. Oder man stellt sich eine riesige Schafherde vor – und merkt dann verschreckt, dass es sich dabei um eine große „Corona-Leugner“-Demo handelt…

 

Bundesanästhetikum

Wenn Sie wirklich Erfolg haben wollen: Nehmen Sie einen Job bei der BaFin an. „BaFin“ heißt nicht „Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht“. Das ist Quatsch. Es steht für „Bundesanästhetikum für Finanzdienstleistungen“. Das ist ein Betäubungsmittel!

Denn wann immer es um die Aufsicht, also das aktive Überprüfen dubioser Tatbestände geht, schläft die BaFin tief und fest.

Ab und zu wird sie aufgeschreckt aus ihren Träumen, weil böse, meist ausländische Menschen fiese Dinge über deutsche Firmen sagen. Etwa dass eine Firma mit dem schönen Namen „Draht-Karte“ (Wirecard) Bilanzfälschungen im ganz großen Stil betriebe.

Dann ist das „Bundesanästhetikum für Finanzdienstleistungen“ schwer aufgebracht, dass der wohlverdiente, häufig schon Jahre dauernde „Power-Nap“ so rüde unterbrochen wurde. Der Störenfried wird dann mit allen Mitteln strafrechtlich verfolgt, um zu verhindern, dass der Schönheitsschlaf der deutschen Finanzbranche nochmal gestört wird.

 

EY

Um wieder einschlafen zu können, geht das „Bundesanästhetikum für Finanzdienstleistungen (BaFin)“ dann zu einer großen Wirtschaftsprüfungsfirma. Etwa EY, die sich früher noch „Ernst & Young“ nannten und lustiger Weise den Lehman Brothers noch bis in die Pleite hinein saubere Buchführung testierten.

Da sah Ernst & Young nach der Sub-Prime-Finanzkrise ziemlich alt aus und wollte nicht mehr „jung“ (Young) heißen. Stattdessen nannten sie sich nur noch EY – gesprochen Iiihh Why – auf deutsch: Igitt – warum? Das ist ein bisschen wie die Geschichte der Lappen in Finnland, die verständlicherweise nicht mehr Lappen heißen wollten. Jetzt heißen sie Samen…

Weil EY natürlich von Wirecard gut bezahlt wurde und wie die anderen Big Four der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der Welt (neben EY auch Deloitte, KPMG, PWC) nebenher auf gute Beraterjobs bei guten Kunden spekulierte, wollte man nicht allzu nörgelig sein und schickte die BaFin mit ganz sauberen Wirecard-Testaten jahrelang wieder in die Tiefschlafphase.

Da kann man schon gar nicht mehr von Interessenkonflikt reden, dass ist als ob Donald Trump Präsident der USA wäre…!

So wird nicht nur der Bock zum Gärtner gemacht wird, sondern gar die katholische Kirche zum Kindergärtner – oder hessische Polizeicomputer zur Datenversorgungsquelle rechter Terroristen…

Aber bei allem Meckern. Die Strategie hat Erfolg. Mittlerweile schlafen auch die Wirecard-Anleger wieder wie Babys… Sie wachen jede Stunde auf und weinen…!

 

Nächste Rätselfrage

Kennen Sie den Unterschied zwischen einer Bank und einem Theater? Im Theater werden gute Schauspieler schlecht bezahlt…

Aber der Markt ist in Bewegung. Jan Marsalek von Wirecard hat Schauspieler inklusive falscher Bank-Kulissen engagiert, um für die Wirtschaftsprüfer von EY das „Wirecard-hat-noch-1,9-Milliarden-Euro-auf-den Philippinen-rumliegen-Drama“ aufzuführen. Das muss die geilste Gage gewesen sein, die es auf den Philippinen je gab!

Dass man in der Finanzwirtschaft auf massenhaft Schauspielerei stößt, wird schnell klar, wenn ein Bankberater sagt, dass er ein „wirklich tolles Finanzprodukt“ habe. Das hängt mit dem Job zusammen. Sage nicht ich, sondern die Universität Zürich.

Der zufolge hängt das so zusammen: 200 Banker wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe schwor man auf „Banker-Verhaltensnormen“ ein. Die andere auf private Normen. Anschließend warfen alle unbeobachtet 10 Mal eine Münze und sollten anschließend sagen, wie häufig sie „Zahl“ erhielten. Dadurch konnten sie ihr Einkommen um bis zu 200 US-Dollar steigern.

Resultat: Die Banker, welche zuvor mit den Normen der Bank geimpft wurden, logen im Schnitt 16 Prozent häufiger als die „Privaten“. Bei anderen Berufsgruppen wurde diese Verzerrung nicht beobachtet – allerdings wurden auch keine Politiker getestet…

 

Letzte Rätselfrage

Was ist der Unterschied zwischen einer Psychiatrie und einer Bank? In der Psychiatrie ist wenigstens das Führungspersonal geistig gesund!

 

 

 

Gastprofil Chin Meyer

 

Erschienen am 06. November 2020.

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