Die Rückkehr der Portfolio-Retter: Aktiv durch die Krise?

1. Mai 2020

DIE RÜCKKEHR DER PORTFOLIO-RETTER
Aktiv durch die Krise?

Neben Gier ist bekanntlich Angst der zweite starke Treiber von Anlegerverhalten. Und in krisenhaften Zeiten wie der Corona-Pandemie sind wir Menschen plötzlich wieder anfälliger gegenüber Rettern, Erlösern und selbsternannten Experten.

 

Deren vollmundige – leider jedoch nicht einlösbare – Heilsversprechen können wir derzeit wieder gehäuft in den Medien lesen.

 

Märchen der aktiven Fondsmanager

 

Im heutigen Blogbeitrag seziere ich genüsslich für Sie ein paar ausgewählte Tricks, Halbwahrheiten und manipulative Täuschungen.

Das macht Sie nicht nur klug, sondern bereitet Ihnen sicher auch eine Menge Spaß. Also bitte Taschentücher bereithalten – heute aber nur für die Lachtränen.

 

Selten durchschaut:
Legaler Betrug durch manipulative Darstellung

In einer auflagenstarken Wirtschaftszeitschrift konnten Sie im April 2020 folgende Aussage lesen:

In der Krise zeigt sich das Können der aktiven Manager.

Gleichzeitig wird das Ende passiven bzw. regelgebundenen Investierens, z.B. via ETFs oder Indexfonds prophezeit.

Es folgten einige, nur sehr lückenhaft und mit unterschiedlichen Bezugszeitpunkten dokumentierte Einzelbeispiele von aktiven Fonds, deren Manager sich angeblich in den letzten Wochen besondere Verdienste um den Vermögenserhalt ihrer Schutzbefohlenen erworben hätten.

Der erste hat zwischen 19.02. und 19.03.2020 nur grob halb so viel Verlust gemacht wie der DAX.

Der zweite hat zwischen Jahresanfang 2020 und Ende April „nur“ 11% verloren. Nun ja, am Jahresanfang gingen die Märkte ja zunächst auch noch kräftig nach oben – die Älteren unter uns erinnern sich…  🙂

Und der Dritte ist seit Ende 2018 sogar mit 2% im Plus. Hmm – was für ein Bezugspunkt. Während es im Herbst 2018 zu massiven Kursverlusten kam, erlebten die Börsen 2019 ja ein fulminantes Gewinnjahr. Die noch Älteren erinnern sich…  🙂

Warum wurde denn ausgerechnet dieser Bezugspunkt gewählt? Ein Schalk wer Böses dabei denkt.

Stoßen einem solch völlig erratische „Äpfel mit Birnen“–Vergleiche nur auf, wenn man ein Statistik-Studium erlitten hat? Oder sind diese wertlosen Einzelaussagen nicht eine Beleidigung der Intelligenz aller Leser?

 

Merke:

Durch

  • willkürlich herausgepickte Auswahl einer jeweils „günstigen“ Ausgangsbasis,
  • Vergleich mit einem sachlich nicht passenden Index oder
  • Betrachtung nur ausgewählter, ganz begrenzter Zeiträume

wird selbst der lahmste Ackergaul zum Rennpferd.

 

Ackergäule zu Rennpferden

 

 

Lukrativer Doppelpass:
Redaktionelle Positivberichterstattung gegen kostenpflichtige Anzeige

Schon lustig, wie die als redaktioneller Beitrag verpackten Werbebotschaften dargeboten werden.

Damit der geneigte Leser dann gleich auch noch schneller den Weg zu den im Fließtext beworbenen gebührenintensiven Fonds findet, werden in einer tabellarischen Info-Box unter dem Text gleich die Namen, Wertpapierkenn-Nummern und Anlageschwerpunkte der „Retter-Fonds“ aufgelistet.

Freilich leider ohne Angaben zu Ausgabeaufschlägen und laufenden Kosten (ongoing charges).

Und nur wenige Seiten später findet der wache Leser dann „richtige“ Anzeigen der Fondsgesellschaften, die dort dann tatsächlich auch als solche kenntlich gemacht werden. Welch ein Niedergang der Kultur in der angeblich unabhängigen redaktionellen Berichterstattung!

Eine solche enge Verbindung zwischen echter Werbung und verkaufsorientierter Berichterstattung in redaktionellen Beiträgen hätte es früher nicht gegeben. Vor zehn Jahren musste ich beispielsweise noch mühevoll suchen, bis ich die gebührenpflichtige Anzeige als Gegenleistung für die redaktionelle Berichterstattung zwei oder drei Ausgaben später in der gleichen Fachzeitschrift entdeckte.

Heute steht sie hingegen schamlos bereits zwei oder drei Seiten weiter in derselben Ausgabe.

Eine „professionelle Fondszeitschrift“, ist noch dreister. Auf etlichen Doppelseiten stehen jeweils links der redaktionelle Beitrag oder ein Interview mit dem Manager eines aktiven Investmentfonds. Und rechts die gekennzeichnete Anzeige.

Das ist doch mal eine Fondswerbung, die man wirklich als professionell bezeichnen kann.

 

Doch es kommt noch schlimmer

Eine andere Anlegerzeitschrift erfreute mein Herz durch einen großzügig bebilderten Beitrag mit folgender Überschrift:

„Diese Fondsmanager haben die Krise gemeistert“

Ich kann es kurz machen. Es folgten wieder Erfolgsgeschichten mit erratisch herausgepickten Einzelbeispielen und lustigen „Äpfel mit Birnen–Vergleichen“.

Ach herrje, ein bisschen intelligenter möchte ich schon veräppelt werden!

 

Die Werbeaussage enthält nämlich zwei manipulative Suggestionen:

Erste Suggestion: Die Krise ist vorbei. Sonst hätte man sie ja nicht meistern können, oder? Die Möglichkeit, dass wir noch inmitten einer längeren Krise stecken und vielleicht gerade mal den ersten von mehreren Akten der Vorstellung hinter uns haben, wird manipulativ ausgeklammert.

Zweite Suggestion: Wer den bisherigen Krisenverlauf – vielleicht mit viel Glück – bisher gemeistert hat, der wird dies auch in der nächsten Krise tun. Hängen Sie sich als Anleger doch also bitte an diese tollen Hechte aktiver Fondsmanager! Und genau das sollten Sie aber in Frage stellen.

Denn hier bleibt wieder die Unsicherheit zwischen Zufall versus Können.

Unabhängige Statistiken zeigen durchgängig, dass die aktiven Fondsmager hinter ihren Vergleichsindex umso häufiger und stärker zurückfallen, je länger der Untersuchungszeitraum ist.

 

Wie war doch das obige Zitat?

„In der Krise zeigt sich das Können der aktiven Manager“

Und wie müsste es korrekt heißen?

„Auch in der Krise zeigt sich, dass das Können aktiver Anlagemanager
sich nicht vom Zufall unterscheiden lässt“.

 

Wie bereits in einem früheren Blogbeitrag erläutert, hat der Nobelpreisträger William F. Sharpe seine Erkenntnisse in folgendem Satz zusammengefasst: „Bevor man sagen kann, ob ein Fondsmanager Können hat, ist er schon tot!”

Da sind wohl 6 Wochen Corona-Krise dann doch ein etwas zu kurzer Zeitraum…

 

Humorvolles Gegenbeispiel

Ich empfehle Ihnen, dass Sie beim Würfeln (und etwas anderes ist die Suche nach herausragenden Fondsmanagern ja auch nicht) auf meine erfolgreichsten, sorgfältig ausgewählten Studierenden setzen sollten.

Denn: Einige meiner Studierenden haben überdurchschnittliche hohe Punktzahlen bei unserem letzten Würfeln erreicht. Deren Würfeldienste sollten Sie unbedingt nutzen. Denn wer das letzte Mal einen Sechserpasch gewürfelt hat, der hat es ja wohl auch zukünftig drauf. Oder?

Noch Fragen?

 

So entzaubern Sie Erfolgsstories

Die derzeit in den Medien grassierenden Erfolgsstories der finanziellen Wunderheiler entzaubern Sie schnell, wenn Sie folgende Fragen stellen:

 

Wie lange dauert die Outperformance (zu deutsch: Mehrleistung) des gelobten Portfoliomanagers denn nun schon an?

Laut wissenschaftlichen Studien von Nobelpreisträgern wären Zeiträume von über 22 Jahren einigermaßen belastbar (signifikant). 25 Jahre wären noch besser. Sechs Wochen sind, nun ja, dagegen doch ein wenig zu kurz….  🙂  Denn einmal einen Sechsepasch würfeln, das kann jeder.

 

Würfeln

 

Aus welcher Stichprobe (Grundgesamtheit) stammen die gefeierten aktiven Manager?

Wenn nur die wenigen und wahrscheinlich zufälligen „Sieger“ einer viel größeren Ausgangsgruppe beschrieben werden, dann liegt ein typischer Fall des sogenannten „Survivorship Bias“ vor. Nämlich des kritischen statistischen Fehlers, dass die Analyse sich nur auf die Erfolgreichen bezieht und die Erfolglosen (Loser) unter den Tisch fallen lässt.

Bildhaft gesprochen: Wer Hundertjährige um Gesundheitstipps bittet, wird auch überzeugte Gesundheitstipps bekommen. Wie dumm, wenn er später herausfindet, dass viele Frühverstorbene die gleichen Tipps befolgt haben…

Lesen Sie hier im Kapitel 7 „Orientierung an den Überlebenden – der große Friedhof der stummen Zeugen“ in meinem Buch „Einfach genial entscheiden – Die 55 wichtigsten Erkenntnisse für Ihren Erfolg“.

 

Friedhof der stummen Zeugen

 

Kann es sein, dass die Fondsgesellschaft gleichzeitig auf unterschiedliche „Pferde“ setzt und dann im oben beschriebenen Doppelpass mit der Wirtschaftspresse immer nur über die berichtet, deren Strategie in der jüngsten Vergangenheit zufällig aufging?

Viele Kapitalanlagegesellschaften besitzen etliche Fonds mit gegenläufigen Strategien. Zum Beispiel „Titanen“ versus „Small Caps“, „Growth“ versus „Value“, „Industriestaaten“ versus „Wachstumsmärkte“. Da lässt es sich kaum vermeiden, dass ein Teil der Strategien sich nachträglich als gut heraus stellt.

Es ist so, wie wenn Sie beim Roulettespiel gleichzeitig auf „schwarz“ und „rot“ setzen – da kann kaum etwas schief laufen. Außer es kommt die Null – aber das werden Sie dann kommunikativ als „Schwarzes-Schwan-Ereignis“ verkaufen und Ihre Kunden auffordern „nach vorn“ zu schauen.

 

Roulettetisch

 

Mit welcher Referenzgröße wurde verglichen?

Bei allen Vergleichen ist die Festlegung der Referenzgröße – also des Maßstabs – heikel. Dieser Maßstab, auch Benchmark genannt, muss in Hinblick auf Zusammensetzung und Risiko fair und sachgerecht gewählt sein. Obwohl dies „eigentlich“ sofort einsichtig ist, wird ständig gegen diesen Grundsatz verstoßen.

Beispiel: Eine Anlegerzeitschrift preist einen aktiven Mischfonds an, da dieser in einem bestimmten Zeitraum „nur“ 12% Verlust machte, während der DAX zeitgleich um 19% eingebrochen sei. Der Vergleich hinkt jedoch, da der aktive Fonds lediglich mit 60% in deutschen Aktien engagiert war und 40% zinslose kurzlaufende Anleihen oder Einlagen besaß.

Ein fairer Benchmark dürfte also lediglich 60% des DAX-Rückgangs also 10,4% als Vergleich zum zwölfprozentigen Verlust des aktiven Fonds heranziehen. Und schon ergibt sich ein völlig anderes Bild.

Eine hohe Geldquote oder Anleihequote können Sie aber auch selbst halten, oder? Und müssen dann nicht dem Fondsmanager rund 2% jährliche Gebühr dafür zahlen, dass er das für Sie tut.

Noch etwas kommt hinzu: Wer wegen der hohen Liquiditätsquote (im obigen Beispiel 40% Anleihen und Einlagen) den Kursrückgang gemildert hat, wird beim nächsten Aufschwung aber eben auch nur „gemildert“ teilnehmen. Oder träumen Sie davon, dass gerade Ihr Fondsmanager die Aktienquote direkt vor dem nächsten Aufschwung erhöht? Dann möchte ich Ihre übrigen Träume lieber gar nicht kennen lernen.

 

Wovon träumen Sie nachts

 

 

Krisensituationen stärken die Erwartungslücke

Verhaltensökonomen haben schon seit langem herausgefunden, dass wir besonders in Krisen dazu neigen, Experten und Fachleute zu überschätzen. Wir tragen die Sehnsucht in uns, dass Spezialisten uns die Unsicherheit nehmen und unsere Lebensrisiken reduzieren.

Diese Form der Überschätzung und Überhebung von Fachleuten wird auch als Erwartungslücke (Expectation Gap) bezeichnet (vgl. vertiefend Kapitel 15 in meinem Buch „Einfach genial entscheiden – Die 55 wichtigsten Erkenntnisse für Ihren Erfolg“.

Die Erwartungslücke wächst mit steigender Angst und Unsicherheit und erreicht in Krisensituationen ihren Höhepunkt. Naheliegende Folge ist, dass aktive Fondsmanager als „Heilsbringer“ und „Retter“ aktuell wieder Hochkonjunktur haben.

Das folgende Zitat (entnommen aus einer Werbung in einer Anlagezeitschrift) spricht exakt die geschilderte Erwartungslücke an.

“Wir bringen Sie sicher durch die Krise, denn wir sind ein gutes Team:
Sie haben das Geld und wir die Erfahrung.”

Aber was bleibt von der Erwartung in den meisten Fällen letztendlich übrig?

Am Ende wird es umgekehrt sein:
Wir haben das Geld (besser: Ihr Geld) und Sie die Erfahrung!
Nämlich eine negative Anlage- und Gebührenerfahrung.

 

Und was bedeutet das nun konkret für Sie?

 

  • Lassen Sie sich auch in Krisenzeiten nicht von den Versprechungen aktiver Fondsmanager verführen, Ihr Geld für teure Gebühren in die Hände von „Experten“ zu geben. Denn auch diese können Sie nicht schützen, die Zukunft nicht vorhersagen und nicht über Wasser laufen. Die Erwartungslücke (Expectation Gap) ist einer der teuersten und schmerzhaftesten Fehler der Anlagepsychologie überhaupt.
  • Durch verzerrende Vergleichsmaßstäbe, manipulative Auswahl von Referenzzeitpunkten oder -zeiträumen und den falschen, da nachträglichen Fokus auf die Sieger können Fondsgesellschaften ihre Erfolgsbilanzen erheblich schönen. Es handelt sich um „legalen Betrug“, d.h. gegen diese Vorgehensweisen kann man juristisch nichts machen.
  • Die von Investmentgesellschaften berichteten Fondsrenditen entsprechen nur in Ausnahmefällen den vom Anleger tatsächlich erzielten Anlegerrenditen. Letztere sind in den meisten Fällen erheblich geringer. Zum Nachweis und für ein anschauliches Beispiel lesen Sie diesen Beitrag von Michael Ritzau. Und für einen grundlegenden Überblick der manipulativen Fondskommunikation empfehle ich Ihnen das Buch „Die große Fondslüge“ des gleichen Autors.
  • Beherzigen Sie die grundlegenden Methoden der Risikominderung. Diversifikation, Halten einer Liquiditätsreserve, Nutzen der risikosenkenden Wirkung des Cost Average Effektes usw. sind für jedermann leicht und kostenarm anwendbar.
  • Aktive Fondsmanager können leicht durch Liquiditätshaltung einen geringeren Kursrückgang im Vergleich zum Referenzindex erreichen. Bezahlen Sie einem Fondsmanager trotzdem nicht jährlich rund 2% Gebühren dafür, dass er bis zu 50% Liquidität für Sie hält. Wenn Branchenexperten das Wort Mischfonds zu Mistfonds verballhornen, so könnte das einen wahren Hintergrund haben.
  • Aktives Risikomanagement, z.B. Absicherung eines Aktienfonds durch Instrumente wie Verkaufsoptionen (Puts) ist teuer und frisst einen erheblichen Teil der Aktienrendite auf. Würden die Kursrisiken vollständig abgesichert, so verbleibt nach den Kosten bestenfalls die Rendite risikoarmer Anleihen. Und die ist negativ!

 

So, und wenn Sie das alles nun doch nicht so uneingeschränkt lustig fanden, tröstet Sie vielleicht die nachfolgende Sichtweise:

Wenn du Schmerzen hast, betrachte sie als Geschenk.
Denn sie zeigen dir, dass du noch lebst. 

Noch…

Deshalb hier mein üblicher Corona-Wunschsatz:
Bleiben Sie gesund und zuversichtlich.
Und das meine ich ernst!

Herzliche Grüße
Hartmut Walz
Sei kein LeO!

 

Erschienen am 01. Mai 2020.

Der Hartmut Walz Finanzblog ist unabhängig, kosten- und werbefrei. Ich erhalte für Links und Empfehlungen keinerlei Honorar, Kick-back, Beteiligung o. ä.

 

 

Kommentare
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Sehr geehrter Herr Dr. Walz,

vielen Dank für Ihren Blogbeitrag.
Als Kernaussage habe ich mitgenommen, dass der Otto-Normal-Finanzlaie (so einer bin ich) die Finger lassen soll von aktiv gemanagten Fonds, denn die outperformance sei mehr oder minder Glückssache bzw. wegen verzerrenden Beschönigungen der aktiven Fondsmanager nur Schall und Rauch.

Ist die Thematik insg. dann richtig verstanden, wenn ich davon ausgehe, dass ich im Durchschnitt sowieso (also von vornherein) nur eine Chance auf outperformance zu 50 % habe? Den Begriff “outperformance” verstanden in diesem Sinne, dass outperformance sowieso nur bezogen ist auf die durchschnittliche Rendite des “Marktes” oder eines Marktsegements. Und dann kommen noch die hohen Kosten für aktive Fonds dazu?

Danke, dass Sie mit Ihren Blogbeiträgen dazu beitragen, dass jeder seine ganz persönlichen Gesetzlichkeiten seines Hauses (Ökonomie) besser verstehen kann.

Lieber Peter Lutschiger, ja, Sie haben die zentrale Botschaft absolut verstanden. Und bestens auf den Punkt gebracht. Vor Kosten hätten Sie die 50%-Chance. Nach Kosten steht es auf Jahressicht schon deutlich schlechter, nämlich z. B. 65 zu 35 gegen Sie. Und je länger die Laufzeit, desto schlechter das Verhältnis, da die Kosten Jahr für Jahr erneut anfallen.
Herzliche Grüße, Hartmut Walz – Sei kein LeO!

Sehr geehrter Herr Walz ,
Sie haben den wichtigsten Punkt vergessen!

Die aktiven Manager reduzieren regelmäßig zu spät die Aktienquote, d. h. können den größten Teil der Verluste im Crash nicht vermeiden, weil sie zu zögerlich sind. Und sie steigen mit noch größerer Verzögerung also wieder zu spät ein, d. h. verpassen für ihre armen Kunden den wichtigsten Teil des Anstiegs (nämlich den mit der größten Hebelwirkung). Ein Anstieg um 1 von 10 auf 11 ist nämlich doppelt so viel wert als ein späterer Anstieg von 20 auf 21. Dieser Aspekt fehlt in Ihrer Analyse völlig. Ansonsten ist Ihr Beitrag ordentlich gelungen & den Humor mag ich.
Viele Grüße an den Prof.
KimS

Liebe/r KimS, die von Ihnen ergänzte Argumentation ist meiner Kenntnis nach zutreffend, d.h. ich kenne den Vorwurf aus vielen Quellen – ohne jedoch belastbare Studien dazu gefunden zu haben. Und ob das – wie von Ihnen angeführt – der zentrale Grund für die schlechte Performance aktiver Fonds auch in Krisen ist, kann ich nicht sagen.
Eine interessante Ergänzung ist Ihr Kommentar aber auf jeden Fall – Danke dafür!
Herzliche Grüße, Hartmut Walz – Sei kein LeO!

Wie schön Herr Prof. Dr. Walz, dies in Ihren Worten und dem beosnderen Witz zu lesen.
Ich kenne diese Zeitungen natürlich genau und bin ebenso verwundert bzw. teilweise auch gefrustet, wie
offensichtlich hier “manipuliert” oder beeinflusst wird. Noch ärgerlicher ist es aber, wenn man dann mit interessierten Investoren mit solchen Artikel konfrontiert wird und dies den Anschein absoluter Weisheit und neutraler Berichterstattung erweckt. Ganz geschweige denn davon das Berufskollegen dies nutzen um Ihr Geschäftsmodell mit diesen Artikeln anzupreisen. Wer sind die leidtragenden?
Bitte weiterhin so erhellende Artikel, um so kurzweilig von unabhängiger Seite auch einen anderen Blickwinkel für diese Menschen anbieten zu können.

Lieber Matthias Krapp, haben Sie vielen Dank für Ihren Kommentar und diese Überlegungen.
Herzliche Grüße, Hartmut Walz – Sei kein LeO!

Sehr geehrter Herr Walz,

vielen Dank für den informativen Beitrag.
Ich bin schon lange ein stiller Leser aber nun muss ich meinen Senf dazu beitragen:

Vor etwa 5 Wochen, als der MSCI World und andere Indizes fast zeitgleich in einem Rekordtempo abschmierten, wurde Mr. Dax (Dirk Müller) Premium Fonds von verschiedenen Finanzjournalisten gefeiert, weil während der Zeit sein Fonds um etwa 2% stieg.
Nur leider haben die Journalisten scheinbar vergessen, wie der gesamte Chart vom Premium Fonds aussah. Von Juni 2016 bis April 2020 ist der Chart mehr oder weniger konstant geblieben.
Wer ist der Gewinner? Dirk Müller und seine Bank mit einem TER von unglaublichen 1,69% und einem Ausgabeaufschlag von etwa 4%.
Quelle: Ariva

Ich kann Ihnen in allen Punkten nur zustimmen, die Finanzpornographie leistet sehr gute Arbeit, wenn die Börse abschmiert.

Mit freundlichen Grüßen
H. Junker

Liebe/r H. Junker, Sie sprechen mir leider so aus dem Herzen 😉
Schon bei den Finanzgesprächen im vergangenen Herbst “konstruktive Crashgedanken” hatten wir uns diese Art Fonds der Crashpropheten angeschaut… https://schliesslich-ist-es-ihr-geld.de/konstruktive-crashgedanken-fakten-szenarien-und-wohlfuehlstrategien-9-finanzgespraeche/
Danke für Ihren Beitrag!
Herzliche Grüße, Hartmut Walz – Sei kein LeO!

Sehr geehrter Herr Prof . Walz, danke, dass Sie den kritischen Blick auf sogenannte unabhängige Finanztipps und Expertenratschläge schärfen und uns auf grundlegende Entscheidungsfehler hinweisen. Gibt es in Ihren Augen neben Ihrem Blog und Ihren Büchern noch wahre unabhängige Ratgeber, bzw. Zeitschriften an denen sich ein LEO orientieren kann? Wie ist es z. B. mit Finanztest? Vielleicht geben Sie Ihre eigene Zeitschrift heraus, um über Ihre bisherigen Publikationen hinaus noch mehr Menschen, insbesondere LEO, unabhängiger in ihren Finanzentscheidungen zu machen. Bleiben Sie mit Humor kritisch auf den Märkten unterwegs.
Herzliche Grüße
Bernhard Lorenz

Lieber Bernhard Lorenz, danke für Ihre Frage.
Die von Ihnen angesprochene Zeitschrift Finanztest sowie die Arbeit der Stiftung Warentest schätze ich grundsätzlich sehr und empfehle bei vielen Sachfragen, sich an deren Empfehlungen zu orientieren. Und dass die Fachmeinungen in ein paar Details auseinander gehen, ist völlig normal und darf nicht dazu führen, dass sich die Guten gegenseitig “zerfleischen”. Beispielsweise ist meine Bewertung traditioneller kapitalbildender Lebens- und Rentenversicherungen (noch) erheblich kritischer als die von Finanztest. Gleiches gilt für Riester– und Rürup-Produkte, die ich für eine schlimme Fehlkonstruktion halte. Aber vielleicht darf man in diesem Punkt keine so harte Position von einer staatlich geförderten Stiftung erwarten. Grundsätzlich also eine vertrauenswürdige Quelle.
Herzliche Grüße, Hartmut Walz – Sei kein LeO!

Sehr geehrter Herr Professor Walz,
mit großem Vergnügen lese ich Ihre Beiträge und bedanke mich sehr für die auf den Punkt gebrachten Argumente, gerade zu den in der „Finanzindustrie“ existierenden „Bestsellern“ der FPV.
Die Publikation Finanztest kommt mir allerdings in der Beantwortung des Kommentars von Herrn Lorenz ein wenig zu gut bei Ihnen weg. Fondsratings und damit einher gehende Kaufempfehlungen für aktive Produkte sind leider immer noch wesentlicher Bestandteil dieser Publikation. Das so ein Vorgehen mit Recht durchaus kritisch zu bewerten ist, schreibt Herr Ritzau in seinem lesenswerten Buch – Die große Fondslüge.
Viele Grüße
G. Marschke

Lieber Gunnar Marschke, herzlichen Dank für Ihren sehr fundierten Kommentar, dem ich nicht viel entgegen zu setzen habe 😉
Ich gebe Ihnen völlig Recht, dass Finanztest – aus wissenschaftlicher und sachlicher Sicht – unberechtigt an Empfehlungen für aktive Fondsprodukte festgehalten hat (und diese ja auch heute noch neben ETF-Empfehlungen aufführt). Und ich kenne und schätze das Buch von Herrn Ritzau ja sehr und war dankbar, dass er einen Gastbeitrag in diesem Blog geschrieben hat:
https://schliesslich-ist-es-ihr-geld.de/gastbeitrag-dr-ritzau-autor-die-grosse-fondsluege/
Und kennen Sie auch unsere gemeinsamen Finanzgespräche?:
https://schliesslich-ist-es-ihr-geld.de/was-privatanleger-von-wirtschafts-nobelpreistraegern-fuer-die-geldanlage-lernen-koennen-finanzgespraeche-mit-dr-michael-ritzau/

Abgesehen von dem o.g. geschilderten Mangel bei Finanztest und vielleicht noch der aus wissenschaftlicher Sicht zu positiven Darstellung von Riester-Produkten ist Finanztest jedoch schon ziemlich gut, neutral und den VerbraucherInnen dienlich. Und damit um Welten besser und nützlicher als die Vielzahl von “finanzpornografischen” Darstellungen, die die KundInnen mit völlig haltlosen “Werde schneller reich – Versprechungen” nur zum aktiven Traden und Erwerb kostenintensiver Anlagevehikel verführen wollen.

Viele herzliche Grüße und nochmals besten Dank für Ihre Kritik, die ich gerne akzeptieren kann.
Herzliche Grüße, Hartmut Walz – Sei kein LeO!

und hier doch noch just ein (ziemlich!) kontroverses Interview zwischen einem Fondsrater und Herrn Dr. Ritzau 😉
https://finanzrocker.net/was-bringt-eigentlich-ein-fonds-rating-der-finanzwesir-rockt-94/

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