Das große Missverständnis

13. März 2020

GASTBEITRAG CHRISTOPH R. KANZLER “DER KANZLER”, BERLIN
Das große Missverständnis

Seit mehr als 25 Jahren arbeite ich in der internationalen Finanzindustrie. Viel habe ich erlebt, gesehen, gelernt. Irgendwann auf diesem Weg erkannte ich, wie die Menschen und die Finanzindustrie seit Jahrzehnten aneinander vorbeireden.

Stellen Sie sich einmal die Frage:
„Was bedeutet Geld für Sie?“.

Nehmen Sie sich einen Stift und schreiben in Ruhe auf ein Papier was Geld für Sie bedeutet. Mit größer Wahrscheinlichkeit werden jetzt Begriffe auf Ihrem Papier stehen wie: Unabhängigkeit, Sicherheit, Selbstverwirklichung usw.

Die Schule des Lebens lehrt uns, dass es im Leben nicht darum geht, sich immer mehr Dinge kaufen zu können. Es geht darum, sich selbst und seiner Familie ein schönes Leben zu ermöglichen. Es geht um die Freiheit, Werte zu erschaffen und seinen Teil beizutragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

 

Wenn Sie jetzt einmal an ein Gespräch mit einen Finanzberater zurückdenken:

Wurden Sie jemals gefragt, was Geld eigentlich für Sie bedeutet? Was Sie damit erreichen wollen? In den meisten Fällen wahrscheinlich nicht.

Stattdessen werden Sie überschüttet mit Fachbegriffen, die Ihnen nichts sagen. Es werden Ihnen komplizierte Anlageprodukte angeboten, deren Funktionsweise Sie nicht verstehen. Und es beschleicht Sie das Gefühl, es geht in dem Gespräch nicht wirklich um Sie.

 

Ihr Bauchgefühl hat recht

Seit Jahrzehnten beschäftigt sich die Finanzindustrie nur mit sich selbst. Es herrscht Absatzdruck. Ihnen sollen Produkte verkauft werden. Mit Produkten verdient die Industrie Geld. Und je komplizierter die Produkte, desto mehr Geld lässt sich damit an Ihnen verdienen.

 

Warum funktioniert das?

Es muss immer einer „wollen“ und einer „lassen“. Solange Sie dies zulassen, wird die Industrie, die das will, Sie nur als Mittel zum Zweck sehen.

Und erwarten Sie nicht von anderer Stelle, wie der Politik, Hilfe. Dort werden Sie als unmündiger Mensch gesehen, den es gilt vor der Finanzindustrie zu schützen. Auch hier sind Sie nur Mittel zum Zweck, um ideologische Weltbilder durch übereifrige neue Gesetzgebungen wahr werden zu lassen.

Basierend auf politischen, wirtschaftlichen und ideologischen Interessen ist Sparen und Investieren in kaum einem anderen westlichen Land so ineffizient wie hier in Deutschland. Die aktuell diskutierte Börsentransaktionsteuer wird ein weiteres Mal vor allem Sie treffen.

 

Alles sinnlos? Nein!

Aber es fängt bei Ihnen an. Wenn Sie es nicht mehr zulassen, nur als Mittel zum Zweck gesehen zu werden, dann wird sich auch als Ergebnis die Finanzindustrie ändern. Und auch die Politik, die immer nur hinterherläuft.

 

So wie es eine Schule des Lebens gibt,
gibt es auch eine Schule der Märkte

Dort lernen Sie, wie sich Geld produktiv vermehrt und dass Sie Teil der größten Erfolgsgeschichte der Menschheit sind. Sowohl als Konsument wie auch Produzent.

Der sogenannte produktive Kapitalismus erschafft Waren und Dienstleistungen, weil eine freiheitliche Gesellschaft diese Waren und Dienstleistungen bedarfsgetrieben nachfragt.

Der Mensch ist also über seine Arbeit einmal Teil des Produktionsprozesses und auf der anderen Seite ist er Abnehmer von Waren und Dienstleistungen.

Produzent und Konsument – der Produktionskapitalismus ist ein „Menschheits-PLUS-System“.

 

Der Finanzkapitalismus

Dem in den 1980er Jahren entstandenen Finanzkapitalismus geht es hingegen nicht um Waren und Dienstleistungen. Es geht darum, aus Geld mehr Geld zu machen.

Es wird mit dem Geld anderer Menschen spekuliert. Hoffend, dass sich die Wetten erfüllen. In Folge kommt es zu Verlusten und Skandalen wie beispielsweise der Finanzmarktkrise im Jahr 2008.

 

Deutschland, ein Entwicklungsland

Deutschland ist ein wirtschaftlich erfolgreiches Land. Und Sie sind Teil dieses Erfolgs. Deutschland ist das Land der Dichter und Ingenieure, der Denker und Entwickler. „Made in Germany“ steht weltweit für Qualität.

Mit Blick auf das Thema Finanzen und Kapitalanlagen sind wir allerdings ein Entwicklungsland.

Die globalen Kapitalmärkte haben in den letzten 100 Jahren durchschnittlich zehn Prozent Rendite pro Jahr erwirtschaftet und reflektieren damit die größte Erfolgsgeschichte der Menschheit.

 

Wie viel von diesen Renditen sind bei Ihnen angekommen?

Quelle dieser Renditen sind Konsumenten und Produzenten. Es sind Menschen wie Sie, die täglich zur Arbeit gehen. Nicht Banken und Fondsmanager, die Geld produktiv vermehren.

Diese Renditen werden aber aktuell zum größten Teil von ausländischen Anlegern vereinnahmt, die das bessere Verständnis von Kapitalmärkten haben.

Die Schule der Märkte verändert Ihre Sichtweise. Märkte sind für Menschen da. Der Produktionskapitalismus ermöglicht es ihnen, dass hart verdiente Geld über Aktien und Anleihen aktiv in den Produktionsprozess zu stecken und davon zu profitieren.

Kapitalmärkte funktionieren dann am besten, wenn sie allen Menschen ermöglichen, am Wohlstand der Nationen teilzuhaben. Es braucht nicht viel, damit jedermann von der Funktionsweise freier Märkte profitieren kann.

 

Es gibt im Grunde nur einige wichtige Regeln

Schlichte Faustregeln, die die Dinge vereinfachen und aktive Herangehensweisen, die leicht verständlich sind und sich daher schnell umsetzen lassen.

 

Eine erste Faustregel ist:
Lassen Sie sich keine Angst machen!

„Bei einem Börsencrash verlieren auf einen Schlag alle ihr Geld“ – diese Meinung ist weitverbreitet. Sie wird als Totschlagargument genutzt, um Menschen in vermeintlich sichere Zins- und Garantieanlagen zu drängen und das gesetzliche Vorsorgesystem zu glorifizieren.

Doch diese Auffassung ist so falsch wie „Wenn es regnet, werden alle Menschen nass“. Es hat in der Vergangenheit gecrasht und es wir auch zukünftig crashen. Und niemand kann einen Crash vorhersagen.

 

Per se ist ein Crash auch nichts Schlechtes.

Wie ein Sommergewitter sorgt er für Abkühlung. Ein Crash säubert den Markt, er macht Platz für Neues.

Ja, Menschen verlieren Geld bei einem Crash. Das ist zweifelsohne richtig. Einige verlieren sogar ihr ganzes Vermögen. Parallel gibt es aber auch Menschen, die kein Geld verlieren und gestärkt aus dem Crash hervorgehen. Auch bei Regen werden nicht pauschal alle Menschen nass.

Sicher ist die Erschütterung spürbar, weil sich das Depot in der Bewertung ändert. Dies ist aber nur vorrübergehend, da Kapitalmärkte mehr Aufschwünge als Abschwünge erleben.

Menschen verlieren dann Geld, wenn sie auf spekulative Anlagestrategien gesetzt haben. Das sind Einzeltitel, Brancheninvestments und andere spekulative Wetten.

 

Lernen Sie zwischen Investieren und Spekulieren zu unterscheiden!

Sie investieren, wenn Sie produktive Anlageklassen wie Aktien und Anleihen nutzen. Sie spekulieren, wenn Sie unproduktive Anlageklassen wie z.B. Gold, Rohstoffe haben oder an Trends glauben. Achten Sie auf folgende Unterschiede zwischen Investieren und Spekulieren:

 

 

Die Argumentation, dass wir Deutschen kulturell bedingt unter einer ausgeprägten Risiko- und Verlustaversion leiden, ist eine hartnäckige Legende, die durch keine Fakten belegt ist. Ganz im Gegenteil.

 

Es gibt in Deutschland mehr Lottospieler als Aktionäre

Wir Deutschen sind also durchaus bereit, Risiken einzugehen. Allerdings nehmen wir die falschen Risiken in Kauf. Wir haben nie gelernt, zwischen „guten“ und „schlechten“ Risiken zu unterscheiden.

Wir sind ein Volk disziplinierter Sparer und haben inzwischen sechs Billionen Euro angehäuft. Da wir aber die Chancen nicht nutzen, die sich uns mit den produktiven Kapitalmärkten bieten, liegt dieses Geld auf schlecht verzinsten Konten und verliert jeden Tag an Wert.

Wir erzeugen jeden Tag Verluste, hohe Verluste, obwohl wir genau das ja um jeden Preis vermeiden wollen.

 

Es kann funktionieren

Seit vielen Jahren halte ich Vorträge zum Thema „Schule der Märkte“. Auch Finanzberatern helfe ich, ein neues Verständnis für ihre Rolle zu entwickeln. Und glauben Sie mir, es kann funktionieren zwischen Kunde und Finanzberater.

Als „Der Kanzler“  ist es meine Mission, Deutschland zu einem besseren Platz für Anleger zu machen, aber auch für Finanzberater.

Braucht jeder einen Finanzberater? Nein. Aber Finanzberater die den Menschen in den Mittelpunkt stellen, können für Familien ein lebenslanger wichtiger Begleiter werden.

Aber beiden Seiten müssen sich über ihre Rollen im Klaren sein. Und eine neue Perspektive auf Kapitalmärkte entwickeln.

Ich bin mir sicher, dass Wohlstandsaufbau mit einer neuen Sichtweis für jedermann möglich ist. Meine Vision ist eine Welt, in der alle Menschen und ganze Gesellschaften von der größten Erfolgsgeschichte der Menschheit profitieren und so ihre finanziellen Möglichkeiten voll ausschöpfen.

 

Erschienen am 13. März 2020.

Der Hartmut Walz Finanzblog ist unabhängig, kosten- und werbefrei. Ich erhalte für Links und Empfehlungen keinerlei Honorar, Kick-back, Beteiligung o. ä.

 

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