Finanzprodukte – Transparenz oder Opazität? Bringen Sie Licht ins Dunkel!

7. Februar 2020

GASTBEITRAG PROF. DR. SUSANNE KRUSE
Finanzprodukte – Transparenz oder Opazität?
Bringen Sie Licht ins Dunkel!

Fondsgebundene Lebensversicherungen, Bausparverträge, Investmentfonds, Exchange Traded Funds, Zertifikate, Derivate – viele Anleger kennen zwar die Bezeichnungen der einzelnen Finanzprodukte. Doch…

 

… was das einzelne Produkt an Chancen und Risiken beinhaltet, ist für den Laien schwer einzuschätzen.

Zunächst einmal ist jedes Finanzprodukt nichts anderes als ein gegenseitiges Versprechen für die Zukunft. Das grundsätzlich mit einem Risiko behaftet ist, egal wie klein es Ihnen vorkommen mag.

Je nach Zukunftsszenario führt das also zu unterschiedlichen Renditen. Damit geht mit jedem Finanzprodukt ein gewisser Grad der Abstraktheit und der Intransparenz einher, der mal geringer und mal größer ist.

Doch wie bringen Sie im letzteren Fall mehr Licht ins Dunkel?

 

Lassen Sie Ihre Fantasie spielen, denken Sie weiterhin in Szenarien und Wahrscheinlichkeiten!

Selbst die Geldanlage auf einem Tagesgeldkonto kann man als Finanzprodukt sehen. In der Regel werden Sie die Idee verwerfen, dass das Tagesgeldkonto nicht den öffentlich von Ihrer Bank bekannt gegebenen Zins ausschüttet.

Das heißt aber, dass Sie das Szenario, dass Ihre Bank innerhalb der Periode, in der Sie Ihr Geld auf dem Tagesgeldkonto belassen, zahlungsunfähig werden könnte und Sie Ihre Investition nicht zurückerhalten, verwerfen. Und diesem eine Wahrscheinlichkeit von Null zuweisen.

Dazu kommen Zukunftsszenarien, in denen Ihre Bank aufgrund sich ändernder Marktzinsen den auszuschüttenden Zins ändert, vielleicht sogar einen negativen Zins fixiert.

Alles dies wägen Sie mehr oder weniger unbewusst ab bei einer Entscheidung, ob Sie Ihr Geld auf ein Tagesgeldkonto legen. Oder vielleicht doch lieber eine andere, eventuell aussichtsreichere Anlagemöglichkeit anstreben sollten.

 

Trotzdem gelten Tagesgeldkonten als ausgesprochen transparente Finanzprodukte.

Was aber, wenn die Situation komplizierter ist wie etwa bei einem Bausparvertrag?

Dieser gliedert sich in eine Anspar-, die Zuteilungs- und die Tilgungsphase. In der Ansparphase sparen Sie in der Regel 30 Prozent bis 50 Prozent des Volumens des Bausparvertrags an.

In der Zuteilungsphase können Sie dann Ihr angespartes Geld zusammen mit einem Kredit, beides zusammen dem Volumen des Bausparvertrages entsprechend, abrufen und damit wohnwirtschaftliche Projekte finanzieren.

In der Tilgungsphase zahlen Sie in der Regel den Kredit an die Bausparkasse in monatlichen Raten zurück.

In der Ansparphase erhalten Sie einen vertraglich fixierten Sparzins, in der Tilgungsphase zahlen Sie einen vertraglich fixierten Kreditzins. Während der Zuteilungsphase können Sie wählen, ob Sie die Zuteilung überhaupt wahrnehmen wollen.

Damit stecken in einem Bausparvertrag einseitige (Zins-)Rechte und (Zins-)Pflichten für Sie bzw. die Bausparkasse sowie ein Wahlrecht der Zuteilung für Sie.

Beim Abschluss eines Bausparvertrages haben Sie sich sicher Gedanken gemacht, ob Sie in der Zukunft wohnwirtschaftliche Projekte wie den Bau oder die Renovierung eines Hauses realisieren wollen und ob die Ihnen angebotene Zinssätze für Sie gut sind.

Sie haben sich also mit der komplexen Struktur auseinandergesetzt und in Szenarien gedacht, in denen Sie die Risiken eines sinnlosen Abschlusses oder eines nicht Ihren Erwartungen entsprechenden Zinssatzes abgewogen haben.

 

Intransparenz entsteht durch Informationsasymmetrie

Ein Bausparvertrag gilt als ein transparentes Finanzprodukt, obwohl man ihn aufgrund seiner Eigenschaften auch als strukturiertes Finanzprodukt, also ein Finanzprodukt, dessen Eigenschaften derivativen Charakter wie bei einem Wahlrecht aufweisen, einstufen könnte.

Was unterscheidet also einen Bausparvertrag beispielsweise von den teils als intransparent und komplex eingestuften Zertifikaten?

Das liegt nicht zuletzt in der menschlichen Natur. Unsere Kommunikation und Interaktion beruht größtenteils auf der Vereinheitlichung.

Wenn wir einen Begriff benutzen, wollen wir, dass dessen Bedeutung möglichst klar definiert und umrissen ist. Dann haben wir Klarheit und es herrscht Transparenz darüber, was unser Gegenüber meint.

Bei einem Bausparvertrag und einem Tagesgeldkonto liegen uns klare Begriffe vor. Als Anleger meinen wir die Chancen und Risiken genau zu kennen.

Bei einem Zertifikat oder komplexeren Produkten herrscht zunächst einmal Unklarheit über die genaue Gestaltung und insbesondere das Chance-Risiko-Profil, die mögliche Wiederveräußerbarkeit, etc.

Hier hat Ihr Finanzberater allein schon aufgrund seiner Vorbildung ganz klar einen Informationsvorsprung, den es zu verkleinern gilt.

 

Diese Lücke zu schließen liegt in Ihrer Hand:

 

     1.     Untersuchen Sie den Beipackzettel oder das Produktinformationsblatt!

Anbieter von Finanzprodukten sind gesetzlich verpflichtet, ihren Finanzprodukten ähnlich wie bei Medikamenten einen Beipackzettel, das Produktinformationsblatt, beizulegen. Dieser soll die wichtigsten Eigenschaften des jeweiligen Finanzproduktes prägnant und verständlich darstellen.

Dieser sollte über mögliche Risiken unterrichten und die Kapitalentwicklung in unterschiedlichen Szenarien darstellen.

Laut der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ist ein Produktinformationsblatt nur dann leicht verständlich, „wenn es so formuliert ist, dass ein durchschnittlich informierter Anleger ohne besondere fachliche und sprachliche Vorkenntnisse das Finanzinstrument gut verstehen kann“.

Doch diese Formulierung lässt den Anbietern ein weites Feld an Möglichkeiten, so dass Verbraucherzentralen immer wieder die Qualität der Produktinformationsblätter bemängeln.

 

     2.     Bestehen Sie auf die Beantwortung Ihrer Fragen!

Was nicht im Produktinformationsblatt steht, sollte Ihr Finanzberater beantworten können. Fragen Sie immer, was denn im schlimmsten Fall, dem sogenannten Worst Case Scenario, passieren kann.

Die Anbieter von Finanzprodukten müssen in den Produktinformationsblättern zwar über positive, neutrale und negative Szenarien aufklären. Sie sind aber nicht verpflichtet, die für den Kunden schlechteste Wertentwicklung aufzuführen.

Selbstverständlich dürfen Sie auch positiv denken und nach dem bestmöglichen Szenario fragen.

Erst wenn Sie wirklich wissen, was passieren kann – und hierzu benötigen Sie unbedingt die Bandbreite der möglichen Entwicklungen –, können Sie damit beginnen sich ein Bild von den Wahrscheinlichkeiten zu machen, mit der diese unterschiedlichen Szenarien eintreten könnten.

Hierbei kann Ihr Finanzberater behilflich sein, aber letztendlich müssen Sie selbst entscheiden, wie plausibel Ihnen seine Einschätzung vorkommt. Bleiben Sie daher hartnäckig und fordern Sie Antworten ein.

Eine bewusste Anlageentscheidung erfordert Wissen und Information.

 

     3.     Kaufen Sie nichts, was Sie trotz aller Informationen nicht verstanden haben oder einschätzen können!

Es sei denn, Sie sagen ganz bewusst, dass Sie einfach ins Risiko gehen wollen und/oder Ihrem Finanzberater blind vertrauen. Allerdings müssen Sie dann auch mit diesem Szenario leben!

 

Erschienen am 07. Februar 2020.

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Kommentare
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Sehr geehrte Frau Professor Dr. Kruse, warum, um alles in der Welt, verwenden Sie denn den so wenig bekannten und griffigen Begriff Opazität? Der Begriff kommt doch vor allem aus der Optik – Lichtundurchlässigkeit. Nur entfernt könnte man ihn mit Undurchdringlichkeit beschreiben. Ich denke, dass war ja eigentlich gemeint: das Gegenteil von Transparenz in Bezug auf Finanzprodukte. Warum dann so undruchsichtig? 🙂 Das klingt nach dem Prof. Dr. gleich so abschreckend wissenschaftlich. Schade. Denn sonst treffen Sie den Nagel auf den Kopf. Danke für Engagement. Beste Grüße aus HH
WS

Sehr geehrte Frau Dr. Kruse,

danke für den erfrischenden Beitrag.!
Gerade bei Finanzdienstleistungen ist Komplexität m. E. der größte Feind des Verbrauchers.
Meiner Erfahrung nach verstehen die wenigsten Privaten, was sie im Portfolio haben – am wenigsten bei Zertifikaten.

Herzliche Grüße
Benno M.

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