5 Bücher – mein subjektiver BücherRückBlick 2022

5 Bücher – Lesenswert!
Mein subjektiver BücherRückBlick 2022

Auch zum Jahresausklang 2022 möchte ich mit meinen BlogleserInnen wieder teilen, welche Bücher mir in diesem Jahr besonders wichtig und wertvoll waren. Und zwar weit über die Themen Geld und Finanzen hinaus.

Links lege ich direkt zu den Verlagen. Kick backs oder andere „Provisionen“ bekomme ich nicht. Wo Sie dann ggfs. die Bücher kaufen, ist mir also egal – solange es bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ist  🙂

Hier ein Blick in mein Bücherregal:

5 Bücher Blick ins Bücherregal

Die Reihenfolge ist übrigens ganz wahllos.

Gern schreibe ich ein paar Sätze zu den 5 Büchern:

 

1.
Narrative Wirtschaft
Wie Geschichten die Wirtschaft beeinflussen – ein revolutionärer Erklärungsansatz

von Robert J. Shiller

5 Bücher Narrative Wirtschaft Shiller

Der Nobelpreisträger Robert J. Shiller, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Yale Universität, zählt zu den anerkanntesten lebenden Ökonomen der Welt.

Mehrere seiner früheren Bücher haben Kultstatus erreicht – zum Beispiel der Titel „Irrationaler Überschwang“, in dem er bereits im Jahr 2000 unaufgeregt, aber mit vielen Fakten unterlegt vorhersagte, dass eine Immobilienkreditkrise in den USA unvermeidlich sei. Auch seine Bücher „Animal Spirits“ (2009) und „Phishing for Fools“ (2016) habe ich mit großem Vergnügen und Erkenntnisgewinn gelesen und häufig zitiert.

Shillers aktuelles Buch „Narrative Wirtschaft“ ist ebenso empfehlenswert und liest sich trotz seiner knapp 500 Seiten fast von selbst.

Das in deutscher Sprache altbekannte, aber bis vor kurzem nur wenig gebräuchliche Wort „Narrativ“ ist durch Shillers Buch geradezu zum Modebegriff geworden. Lustigerweise verstehen Menschen sofort, was mit Narrativen gemeint ist, wenn man das deutsche Wort durch ein englisches – nämlich „Storytelling“ ersetzt.

Narrative sind nämlich ganz einfach Geschichten, Erzählungen und Metaphern, die den meisten Menschen unmittelbar eingängig und verständlich erscheinen. Und dadurch häufig Entscheidungen beeinflussen und Handlungen auslösen.

Narrative können wahr, faktenbasiert und sogar wissenschaftlich belegbar sein. Sie müssen es aber nicht! Und genau an dieser Stelle wird es gefährlich. Wenn ein Narrativ nämlich aus sich heraus vielen Menschen eingängig und verständlich erscheint, obwohl der behauptete Zusammenhang oder die Wirkung überhaupt nicht existiert, fährt der Zug ganz schnell in die falsche Richtung.

Bereits im Jahr 2013 warnte ich in meinem Buch „Einfach genial entscheiden“  (aktuelle 3. Auflage 2022) vor der Plausibilitätsfalle. Was plausibel und sofort einleuchtend klingt ist, muss eben noch lange nicht wahr sein.

Narrative, die uns durch ihre Plausibilität unwahre Zusammenhäng für wahr halten lassen, führen zwangsläufig zu Fehlentscheidungen.

Und da interessante und überzeugende Geschichten ganz unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt gerne weitererzählt oder z.B. über Social-Media-Kanäle verbreitet werden, breiten sie sich ganz wie eine Epidemie häufig rasch aus.

Fast jede Blase auf den Finanzmärkten lässt sich auf ein solches Narrativ zurückführen.

Während Narrative alle Lebensbereiche (vom Energiesparen mit Teelicht-Ofen bis hin zu revolutionären Abnehm-Tricks ohne Änderung der Lebensgewohnheiten) betreffen, konzentriert sich Shiller auf Erzählungen im Bereich der Wirtschaft

Sind Sie beispielsweise bei folgenden Narrativen sicher, dass die „gute Story“ wirklich durch wissenschaftlich belastbare Fakten gestützt ist?

  • Wirkung der Lohn-Preis-Spirale
  • Sinnhaftigkeit der staatlichen Förderung des Eigenheimbesitzes
  • Sinn, Effizienz und Wertentwicklung des Bitcoin
  • Erhöhung des Steueraufkommens durch Senkung des Steuersatzes, wegen der Wachstumseffekte
  • Wirkung der Auswahl nachhaltiger Unternehmen beim Aktienkauf

Ich selbst habe mich gleich bei mehreren der genannten Beispiele ertappt gefühlt und empfehle Ihnen das Buch unbedingt als bereichernden Lesegenuss.

 

2.
Zukunftsfähige Agrarwirtschaft
Basis für gesunde Ernährung, Klimaschutz und den Kampf gegen Hunger

von Dieter Thomaschewski (Hrsg.)

5 Bücher zukunftsfähige Agrarwirtschaft Thomaschewski

Warum dieses Buch absolut lesenswert und nicht nur interessant, sondern zugleich höchst relevant ist…

Ich weiß zwar nicht, wer da so genau gezählt hat, aber angeblich wurde am 15. November 2022 die Marke von 8 Milliarden Menschen überschritten. Und nach einer Prognose der Vereinten Nationen könnten es schon 2080 rund 10,4 Milliarden sein.

Angesichts der Herausforderung, all diese Menschen angemessen und gesund zu ernähren und dabei noch das Klima zu schützen und den Raubbau an der Natur zu stoppen, erscheinen viele andere Probleme als vergleichsweise klein. Man könnte meinen, dass die Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte angesichts dieser wachsenden Nachfrage zumindest eine gesicherte Existenz hätten.

Doch das Gegenteil ist der Fall. Kostendruck, Arbeitskräftemangel, hohe Investitionsbedarfe und Reputationsschäden wegen Tierwohl, Wasserverbrauch, Umweltbelastungen und letztlich der Bedrohung der Artenvielfalt stellen den Fortbestand vieler Landwirtschaftsbetriebe in Frage.

Hinter dem kühlen Begriff „Strukturwandel in der Agrarwirtschaft“, stehen Betriebsaufgaben und -zusammenlegungen, Flächenaufkäufe durch Finanzinvestoren und vieles mehr.

In fünf, sachlogisch aufeinander aufbauenden und ausnahmslos gut verständlichen Kapiteln lernen Interessierte in Zukunftsfähige Agrarwirtschaft zunächst die vielfältigen Anforderungen an eine Landwirtschaft der Zukunft kennen.

Dieter Thomaschewski hat als Herausgeber die einzelnen Beiträge des großen Expertenteams sorgfältig aufeinander abgestimmt. So kommen viele hochinteressante Facetten zur Sprache, z.B. wie sich Agrarwirtschaft selbst neu erfinden muss aber auch erfinden kann. 

Das Autorenteam stellt Innovationen in der Agrarproduktion vor, erläutert, wie Lebensmittel vermarktet werden und auf welche  erwartbaren Veränderungen bei der Welternährung und dem Verbraucherverhalten sich die Agrarwirtschaft einstellen muss. 

Als „Appetithappen“ möchte ich hier nur ein paar bunt zusammengestellte Facetten aus dem Buchinhalt nennen, die für mich „augenöffnend“ waren. Meine Auswahl ist bestimmt weder vollständig noch systematisch:

  • Ansatzpunkte für mehr Tierwohl, Klimaschutz und Artenvielfalt in der Agrarwirtschaft
  • Digitalisierung in der Agrarwirtschaft – die Zukunft der Landmaschinentechnik
  • Möglichkeiten alternativer Proteinquellen
  • Lebensmittelverluste und Food Loss Management: So kann Verderb, Verschwendung, Vernichtung von Lebensmitteln auf dem Weg vom Erzeuger bis zum Endverbraucher reduziert werden
  • Ernährungssicherheit trotz Folgen des Klimawandels und vielfältiger Krisen: Wie die weltweite Lebensmittelversorgung robuster gemacht werden kann
  • Der mögliche Beitrag von „Stubsen“ (Nudging) zur Steigerung der Nachfrage von gesunden und nachhaltigen Nahrungsmitteln
  • Ansatzpunkte, wie Zielkonflikte zwischen ökologischen, ökonomischen und sozialen Interessen in der Agrarwirtschaft vermindert werden können

Kurzum: Gerade weil ich als verbraucherschützender Finanzexperte nur Alltagswissen für die Belange der Agrarökonomie besaß, hat mir das Buch viele neue Erkenntnisse gebracht und etliche Wissenslücken geschlossen.

Ich habe nun noch mehr Achtung vor guten und ehrlichen Nahrungsmitteln und den Menschen, die diese erzeugen. Und ich bin nach der Lektüre optimistischer als zuvor, dass die Ernährung der Weltbevölkerung ohne eine Zerstörung unseres Planeten machbar ist – aber nur, wenn wir mit intelligenten Verfahren und Strategien konsequent daran arbeiten.

 

3.
Warum es so schwer ist, ein guter Mensch zu sein
und wie wir das ändern können: Antworten eines Verhaltensökonomen

von Armin Falk

5 Bücher warum es so schwer ist guter Mensch Falk

Sind Sie ein guter Mensch? Klares Ja? Eher Ja? Unsicher? Eher nicht, aber voller guter Ansätze? Erleben Sie eine Lücke zwischen moralischem Wollen und tatsächlichem Tun in Ihrem Verhalten? Erleben Sie diese Lücke zwischen der Selbstdarstellung und dem Verhalten bei Ihren Mitmenschen?

Armin Falk ist vielfach ausgezeichneter Professor an der Universität Bonn und darüber hinaus in mehreren ehrenamtlichen Funktionen tätig.

In „Warum es so schwer ist, ein guter Mensch zu sein“, zeigt er in leicht verständlicher und unterhaltsamer Art einen in uns allen steckenden Konflikt auf. Nämlich den zwischen Bequemlichkeit und Eigennutz einerseits sowie sozialdienlichem Verhalten und ethischem Verhalten andererseits.

Anhand vieler anschaulicher Beispiele und interessanter Experimente erklärt er verhaltensökonomische Ursachen und Mechanismen, die bei jedem von uns wirksam werden. Und die mitbestimmen, ob wir uns „gut“ im Sinne von gemeinschaftstauglich oder ob wir uns eigennützig verhalten.

Es ist eben völlig „normal“, dass wir uns selbst etwas nachsichtiger bewerten und „kleine Sünden“ verzeihen, die wir bei Mitmenschen auf das Schärfste anprangern würden – insbesondere wenn diese Politikerinnen oder Führungskräfte sind.

Auch das völlig normale Bestreben, vor sich selbst gut dazustehen (selbstwertdienliche Wahrnehmung) führt zu einer „schiefen“ Interpretation von eigenem und fremdem Verhalten.

So gehen wir in Situationen, in denen wir gemeinsam mit anderen etwas Gutes tun oder Schlechtes unterlassen könnten, nur ungern voran. Sondern erwarten, dass andere das tun (typische Verantwortungsdiffusion).

Leser mit profunden Vorkenntnissen werden wahrscheinlich einen guten Teil der verhaltensökonomischen Phänomene bereits kennen. Aber die Leichtigkeit und den Unterhaltungswert ihrer Beschreibung trotzdem genießen.

Ich persönlich empfand das Kapitel 7 „Was können wir tun?“ als besonders nützlich und weiterführend. Falk erläutert hier zehn Ansatzpunkte, die ich hier wirklich wärmstens empfehlen, aber nicht wiedergeben kann.

Aufklären – sich ehrlich machen – Reputationseffekte nutzen – Entscheidungsarchitekturen optimieren – andere mit Respekt behandeln – sozialen Normen Geltung verschaffen – positive Vorbilder schaffen – Forschung fördern – Regulieren – Mehr Kant wagen

Allein die hinter diesen 10 Empfehlungen stehenden Überlegungen und Anregungen lohnen schon das Lesen dieses von Grund auf optimistischen und konstruktiven Buches. Wer Factfulness von Rosling schätzt, der wird auch dieses Buch nicht mehr missen wollen.


4.
Cloudmoney
Cash, Karte oder Krypto: Warum die Abschaffung des Bargelds unsere Freiheit gefährdet.

von Brett Scott

5 Bücher Cloudmoney Scott

Worum geht es beim digitalen Geld? Um elektronisches Geld, vor allem die Bezahlung mit Apps sowie Geld-, Kredit- u.a. Karten. Übrigens auch um Kryptogeld. Im Gegensatz zu Bargeld, also der Bezahlung mit Münzen und Scheinen.

Cloudmoney kritisiert die Welt des digitalen Geldes auf hohem Niveau und sehr differenziert. Es stellt die entscheidende Frage: Wie wäre es, wenn es kein Bargeld mehr gäbe!

Bargeld ist eine anonyme und krisensichere Zahlungsmethode. Was ist so wichtig daran? Brett Scott gibt eindrückliche Beispiele:  

  • So kaufen während der Proteste in Hongkong die Studierenden und Aktivisten ihre U-Bahn-Tickets mit Bargeld, damit die Datenströme einer digitalen Zahlung nicht als Beweis für ihre Reise an den Protestort dienen können.
  • Umgekehrt schränken große deutsche Unternehmen wie Lufthansa und die Berliner Verkehrsbetriebe die Bezahlmöglichkeiten ein und nehmen kein Bargeld mehr an. Sie benötigen dort also Kunde also eine Karte oder ein Smartphone – sonst müssen Sie draußen bleiben.

Ich füge noch 2 jüngere Beispiele hinzu:

  • Im September 2021 kam es zu einem großflächigen Stromausfall in Dresden. Das Handynetz brach zusammen, Ampeln fielen aus, Straßenbahnen standen still, Menschen blieben in Fahrstühlen stecken. 300.000 Haushalte und Unternehmen hatten keinen Strom – weil ein Spielzeugballon in die Leitung geriet.
  • Ende Mai 2022 konnte man deutschlandweit bei tausenden Supermärkten, Einzelhändlern, Tankstellen usw. zum Teil tagelang nicht per Karte zahlen. Die Systeme funktionierten nicht – warum auch immer. Mit Bargeld können Sie auch dann bezahlen, wenn das Kartenterminal ausfällt, Ihre App nicht funktioniert, Ihr Mobiltelefon keinen Empfang hat oder nicht geladen ist.

Brett Scott zeichnet zudem den großen Zusammenhang.

Die Infrastruktur für Bargeld ist vergleichsweise aufwendig. Digitales Bezahlen dagegen spült den Finanzinstituten Gebühren zu.

Und was für diese viel wichtiger ist: riesige Mengen Daten! Wer überweist wem wann wofür wieviel Geld? Mit einem Klick können Zahldienstleister Verknüpfungen über Raum und Zeit darstellen – über Geschehnisse und Personen und Beziehungen…

Hinzu kommt die Zusammenarbeit von Technologieunternehmen und digitalen Plattformen mit Finanzinstituten – also die Verbindung von Big Tech und Big Finance. So kooperiert die Apple Card mit der Investmentbank Goldman Sachs. Hinter Google Pay steht einer der größten Finanzdienstleister der Welt: Citibank. Scott spricht von Überwachungskapitalismus.

Er zeigt aber auch, was jeder einzelne und unsere Gesellschaft zusammen gegen diesen Überwachungskapitalismus und für Freiheit, Privatsphäre und Selbstbestimmung tun können. Das macht zuversichtlich und aktiv!

So haben in den USA Städte wie Philadelphia, New York und San Francisco gegen den massiven und teils aggressiven Lobbyismus von Amazon Gesetze erlassen, die sicherstellen, dass Barzahlung möglich bleibt.

In Deutschland streitet die Deutsche Bundesbank vehement für das Bargeld und dafür, dass jederzeit ausreichend Bargeld zur Verfügung steht. Meine Blog- und Newsletter-LeserInnen wissen, dass auch ich ein rastloser Verfechter für Bargeld bin.

Und noch ein Gedanke: Ganz aktuell gibt es keine negativen Zinsen oder „Verwahrentgelte“ auf Konten mehr. Diese können aber jederzeit zurückkommen – und zwar heftiger denn je. Würde es kein Bargeld geben, könnten Sie sich vor Verlusten durch negative Einlagenzinsen nicht schützen, indem Sie Ihr Bargeld auch außerhalb des Kontos aufbewahren.

Beim Bezahlen geht es also nicht nur um Geld. Es geht um Freiheit und Macht. Nach der Lektüre von Cloudmoney wissen Sie noch besser, was ich meine.

Scott formuliert so genial wie einleuchtend: Niemand würde in einen Wolkenkratzer ohne ein Treppenhaus einziehen, selbst wenn er meist den Aufzug nimmt.  

Bargeldzahlung existiert und funktioniert. Ist die Infrastruktur dafür jedoch erst einmal weg, wird sie nicht wieder entstehen – Finanz- und Technologieunternehmen hätten daran kein Interesse.

Deshalb: Lassen Sie uns für unsere Wahlfreiheit beim Bezahlen einstehen! Nutzen Sie in Ihrem Alltag Bargeld so oft wie möglich!

Und vielleicht lesen Sie ja auch dieses Buch  🙂

 

5.
Schwarze Erde
Eine Reise durch die Ukraine

von Jens Mühling

5 Bücher Schwarze Erde Mühling

Jens Mühling ist ein absoluter Osteuropa-Kenner und mehrfach dafür ausgezeichnet. Das Reportagebuch „Schwarze Erde erschien 2016, also weit bevor Russland die Ukraine am 24. Februar 2022 brutal angriff.

Der Russland-Ukraine-Konflikt hat eine jahrelange Vorgeschichte: Ende 2013 begannen zehntausende Menschen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew auf dem Maidan-Platz gegen ihren eigenen Präsidenten zu protestieren. Der moskautreue Janukowitsch hatte das Partnerschaftsabkommen mit der EU ausgesetzt. Im Februar 2014 wurde er von den Ukrainern gestürzt.

Kurz darauf wurde ein Teil der Ukraine, die Krim völkerrechtswidrig von russischen Spezialeinheiten besetzt und von Moskau annektiert. Prorussische Truppen besetzten zudem die Gebiete Donezk und Luhansk im rohstoffreichen Osten der Ukraine (Donbas). Seither kämpfte die Ukraine um die „Wiedereingliederung der vorübergehend besetzten Gebiete“.

Am 21. Februar 2022 jedoch erkannte Russland „die von prorussischen Separatisten proklamierten sogenannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk als eigenständige, von der Ukraine unabhängige Staaten an. Der seit Jahren schwelende Konflikt eskalierte am 24. Februar 2022 mit dem Überfall auf die Ukraine.“[1]

Seither zähle ich die Wochen dieses furchtbaren Krieges mitten in Europa.

Doch bereits „ein Jahrtausend lang lebten die Ukrainer zwischen Grenzen, die sich unter ihren Füßen stetig verschoben; mal zu Polen, mal zu Österreich und Litauen, schließlich zu Deutschland und dann zur Sowjetunion gehörten. Und die nun wieder in Bewegung geraten sind.

Als Staat existiert die Ukraine erst seit 1991; was sie vorher war, ist unter ihren Bewohnern so umstritten wie unter ihren europäischen Nachbarn.“

Diese Zusammenfassung von „Schwarze Erde“ beschreibt zugleich die bemerkenswerte Erzählweise von Jens Mühling. Er schreibt in eindringlichen Bildern, seine Handlung ist immer in Bewegung, die Menschen kommen uns nah.

Mühling erzählt von „Begegnungen mit Nationalisten und Altkommunisten, Krimtataren, Volksdeutschen, Kosaken…“. Von Holodomor, Gulag, Faschisten, OUN (Organisation Ukrainischer Nationalisten). Von der Liebesgeschichte von Inge und Bohdan und dem Schwiegersohn von Bandera.

Für mich war es vorher nicht möglich, die Geschehnisse in der Ukraine einzuordnen oder zu verstehen. Es ist ungemein erhellend, sich der Ukraine über ihre Geschichte und diese Geschichten zu nähern.

Mühlings Reise über Polen, Galizien bis in den Osten der Ukraine nimmt uns mit ans Schwarze Meer nach Odessa, nach Simferopol auf die Krim, nach Cherson, Saporischja und Donezk. Und wir wissen, dass dies heute zerstörte Städte sind.

Sie verstehen sicher, dass ein Bücherrückblick in diesem Jahr für mich nicht ohne dieses Buch vorstellbar ist.

Das ukrainische Wort мир gleicht dem russischen Wort мир.[2] Es heißt Frieden.

 

***

Hat Sie selbst auch ein Buch besonders beschäftigt oder inspiriert? Oder haben Sie eines der o.g. Bücher schon gelesen? Dann schreiben Sie gerne einen Kommentar.

Hier geht es übrigens zum BücherRückBlick des vergangenen Jahres.

Damit wünsche ich allen meinen LeserInnen friedvolle Weihnachtstage und einen guten Start in ein gesundes 2023!

Herzliche Grüße
Hartmut Walz
Sei kein LeO!

 

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Ukraine

[2] Sprich: myr

Erschienen am 23. Dezember 2022.

Der Hartmut Walz Finanzblog ist unabhängig, kosten- und werbefrei. Ich erhalte für Links und Empfehlungen keinerlei Honorar, Kick-back, Beteiligung o. ä.

8 Gedanken zu „5 Bücher – mein subjektiver BücherRückBlick 2022“

  1. Lieber Herr Professor Walz, vielen Dank für die anregenden Buchtipps. Einige der Bücher werde ich gleich beim Buchhändler meines Vertrauens bestellen. Auf diese Weise kann ich mögliche Zeitfenster in den nächsten zwei Wochen sinnvoll nutzen :-).

    An dieser Stelle bedanke ich mich auch für den tollen Finanzblog der mir wöchentlich wertvolle Tipps auf den Weg mitgegeben hat. Machen Sie weiter so.

    Herzliche Grüße
    Steffen Grebe

    Antworten
    • Lieber Steffen Grebe, herzlichen Dank! Ich freue mich auch immer darüber wie wuselig und voll unser kleiner Buchladen hier im Ort oft ist, gut so! 😉
      Herzliche Grüße, Hartmut Walz – Sei kein LeO!

      Antworten
  2. Hallo Herr Walz,
    ich lese Ihren Blog immer mit großem Interesse. Diesmal hat sich am Anfang ein kleiner Fehler eingeschlichen. Bei „Phishing“ fehlt ein h.
    Viele Grüße
    Joachim Jurasik

    Antworten
  3. Lieber Prof. Walz

    vielen Dank für die Buchempfehlungen! An dieser Stelle auch ein Danke für die vielen anderen großartigen Blogbeiträge und ihre eigenen Bucheröffentlichungen.
    Diese haben zwar nicht vollständig verhindert, daß ich mir manchmal selbst ein Beinchen stelle, bin aber wohl (hoffentlich) eher kein LEO mehr für Andere….

    Auf ein friedliches Jahr 2023

    Peter G.

    Antworten
    • Lieber Peter G., herzlichen Dank!
      Und bitte weiter so auf dem kein-LeO-Weg 😉
      Herzliche Grüße mit den besten Wünschen für das neue Jahr, Hartmut Walz – Sei kein LeO!

      Antworten
  4. Lieber Herr Walz,
    Ich bin immer wieder ermutigt und inspiriert durch ihre Blogbeiträge. Der private „ kleine Vermögensaufbau“ folgt Ihren Empfehlungen. Provisionsfreie und kostengünstige ETF-Produkte, breit gestreut. Und solides Immobilieneigentum. Auch wenn die Kurse im Moment ins Minus gehen werden sie sich mittelfristig erholen. Ja, jetzt ist die Zeit der Nachinvestition gekommen.
    Danke für die Buchtipps. Mir gefiel in diesem Jahr das schon länger erhältliche Buch von Jens Corssen gut: Der Selbstentwickler. 4Schritte, um sich und seinnLeben sehr eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen. Amüsant und mit Storytelling Beispielen geschrieben. Kommen Sie gut ins neue Jahr. Ich freu mich auf Ihre weiteren Blogbeiträge. L. G. Klaus Schmitt

    Antworten
    • Klaus Schmitt, vielen Dank für Ihren belebenden Kommentar!
      Das von Ihnen empfohlene Buch „Selbstentwickler“ von Jens Corssen besitze ich seit langem, schaue öfters mal wieder rein und kann Ihre Empfehlung voll bestätigen. Corssens Satz: „Was kostet mich meine Art zu Denken“ begleitet mich täglich und hilft mir, psychisch gesund in einer oftmals kranken (Arbeits-)Umgebung zu bleiben.
      In diesem Sinne alles Gute!
      Herzliche Grüße, Hartmut Walz – Sei kein LeO!

      Antworten
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Prof. Dr. Hartmut Walz
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