BRANDAKTUELLE NEUIGKEITEN VON DER iff-KONFERENZ IN HAMBURG
Für Sie prägnant zusammengefasst

Am 21./22. Juni 2018 fand in Hamburg die 13. iff-Finanzdienstleistungskonferenz statt.* Das klingt abgehoben, ist aber absolut bodenständig, praxisrelevant und interessant auch für Sie!

Auf Einladung des Präventionsnetzwerk Finanzkompetenz e. V. war ich dabei. Und gebe Ihnen gerne meine Einblicke in ausgewählte aktuelle Diskussionen im Bereich Finanzdienstleistungen und Verbraucherschutz weiter.

Das ist interessant für Sie

Aus dem prallen Programm habe ich Ihnen vier Schlaglichter ausgesucht. Die Auswahl fiel schwer. Denn es gab viele wirklich lebendige, kompetente Vorträge und Diskussionen.

     1.      Finanzregulierung seit der Krise: Ein Schritt vorwärts, zwei zurück

im Bild: Tenhagen (Moderation, Finanztip) – Dr. Bergmann (DDV) – Stiefmüller (Finance Watch) – Prof. Dr. Ringe (Uni Hamburg) – Giegold (Bündnis 90 / Die Grünen)

Nach einem sehr versierten und kompetenten Impulsvortrag von Sven Giegold, Mitglied der GRÜNEN-Fraktion im EU-Parlament kam die Podiumsrunde zu dem Ergebnis: Die Finanzmarktregulierung (Stichworte MiFiD, IDD und KIID) brachte zwar Verbesserungen für Verbraucher und Gesellschaft.

Jedoch scheint einiges überreguliert – was jedoch keinesfalls der Politik, sondern der Finanzdienstleistungslobby anzulasten ist. Übertrieben erscheinen vor allem die Dokumentationspflichten bei Finanzberatungsgesprächen und die erzwungene Informationsüberflutung des Verbrauchers. Hier sollte der Gesetzgeber prüfen, wo er übers Ziel hinausgeschossen ist, damit Verbraucherschutz in Finanzdingen tatsächlich praktikabel ist.

Dem Verbraucherschutz wäre mehr gedient, wenn man grundlegende Fehlanreize, wie z. B. den provisionsgetriebenen Vertrieb, beseitigen würde. Wie dies in anderen europäischen Ländern ja bereits geschehen ist.

Mit Blick auf die Finanzkrise von 2008 wurde auf dem Podium kritisiert, dass die Kosten bzw. Verluste einer Schieflage großer Banken nach wie vor sozialisiert würden. Gleichzeitig werden die Bankengewinne von Führungskräften (via Boni) sowie von den Aktionären vereinnahmt. Es ist vorhersehbar, dass auch in der nächsten Krise wieder wir Bürger und Steuerzahler den Schaden tragen werden. In der Realwirtschaft gehen marode Unternehmen Pleite. Das sollte auch für abgewirtschaftete Banken gelten: Eine geordnete Bankenabwicklung ohne Kosten für den Steuerzahler sollte möglich sein. Leider ist das aber wegen der Systemrelevanz großer Banken de facto nicht der Fall.

 

     2.      Immobilienrente – mit Haus zur Zusatzrente

Viele Senioren haben sich den Traum vom Eigenheim verwirklicht. Die Wohlhabenderen unter ihnen besitzen daneben noch weiteres Vermögen wie Aktien oder Anleihen und Einlagen auf Spar-, Termin- oder Festgeldkonten. Sie haben im wahrsten Sinne des Wortes „ausgesorgt“.

Für den überwiegenden Teil stellt jedoch die eigene Immobilie die mit Abstand größte Vermögensposition der „Privatbilanz“ dar. Und obwohl sie davon profitieren, dass sie keine Miete zahlen, kommt es häufig vor, dass ihre laufenden Einkünfte nicht ausreichen, um neben dem gewünschten Lebensstandard auch die Nebenkosten zu tragen.

Oder die Senioren möchten einfach zusätzliches Einkommen zum Leben haben, z. B. um die lang ersehnten Urlaube, Kreuzfahrten etc. nun endlich realisieren zu können.

Was also tun, wenn z. B. 80 % oder mehr des gesamten Vermögens in der selbstgenutzten Immobilie steckt, man diese aber nicht verlassen möchte?

Eine Möglichkeit stellt die sogenannte Immobilienrente dar: Senioren übertragen ihr Eigentumsrecht an der Immobilie an einen Dritten, erhalten jedoch ein lebenslanges Wohnrecht und zudem eine monatliche Rentenzahlung. Christoph Sedlmeier von der Stiftung Liebenau und Friedrich Thiele von der Deutsche Leibrenten AG stellten in sympathisch-sachlicher Form die Möglichkeiten vor, mit denen Menschen aus ihrem – meist geliebten, aber illiquiden – Vermögensgegenstand „Eigenheim“ eine Zusatzrente generieren können.

Und sie erläuterten, warum diese Möglichkeit für den „jungen Alten“ – also Rentner mit 63 oder 67 Jahren – meist wenig attraktiv ist. Jedoch für Senioren mit Liquiditätsbedarf im Alter von über 75 Jahren durchaus eine bedenkenswerte Alternative sein kann.

Aufgrund mehrerer Anfragen von BlogleserInnen wird es zum Thema Immobilienrente, Umkehrhypothek und Leibrente im Hartmut Walz Finanzblog in Kürze einen ausführlichen Beitrag geben. 

 

     3.     Finanzielle Bildung: Welche Anbieter gibt es und welche Ziele haben sie?

im Bild: Parthum (Moderation, Geldfrau) – Oppenhäuser (attac) – Prof. Dr. Walz (Hochschule Ludwigshafen a. Rh.) – Heine (Schuldnerberatung Charlottenburg/Wilmersdorf) – Dr. Mayer (Marktwächter, Verbraucherzentrale Hessen) – von Jagow (MyFinanceCoach)

 

Bei dieser Diskussion saß ich selbst mit auf dem Podium. Die Geldfrau Dani Parthum moderierte die Runde. Wir stellten fest, dass ein Fach Wirtschaft bzw. Finanzkompetenz an Schulen immer mehr Einzug hält. Die Bildungsinhalte scheinen jedoch sehr erratisch, je nachdem, wie sehr sich die jeweilige Lehrkraft engagiert.

Ganz unterschiedliche Akteure drängen in die Schulen: Neben Schuldner- und Insolvenzberatungen sowie Verbraucherzentralen, auch Banken, Sparkassen, Versicherungen und andere Anbieter.

Ich habe versucht, die Akteure zu unterscheiden in Altruisten, Lobbyisten und falsche Freunde. Das gab Spontanapplaus – und entzündete eine rege Diskussion. Denn Vorsicht ist auch bei Privatanbietern geboten, die zwar unabhängig scheinen, aber letztlich von Banken, Versicherungen usw. finanziert werden. Vor diesem Hintergrund ist eine unabhängige Stelle, welche die Lehrmaterialien zur finanziellen Bildung prüft, sehr wünschenswert.

 

     4.     Nachhaltige Finanzwirtschaft: Anforderungen an die europäische und deutsche Politik

im Bild: Ryglewski (SPD) – Ockenga (GDV) – Brendel (Verbraucherzentrale Bremen) Läsker (Moderation, Spiegel) – Schürmann (Triodos) – Schneeweiß (Südwind) – Koch (Europäische Kommission)

 

Klimaschutz und nachhaltige Entwicklungen haben an Bedeutung gewonnen. Investitionen in ethische und nachhaltige Projekte sollen gesteigert werden.

Dies kann über Anlagevehikel mit entsprechender Ausrichtung geschehen. Die Europäische Kommission legte im März 2018 dazu einen Aktionsplan „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ vor. Martin Koch von der Europäischen Kommission erläuterte kurz die wichtigsten Maßnahmen darin.

Besonders relevant ist die Definition: Was ist grün? Was ist ethisch und nachhaltig? Dazu will die EU eine Klassifizierung entwickeln, damit alle Marktteilnehmer einheitliche, objektive Bewertungskriterien haben. Derzeit gibt es nämlich keine durchgängige Regelung. Verschiedene Akteure definieren subjektiv, was nach ihrer Meinung ethisch und nachhaltig sei. So besteht die Gefahr, dass Unternehmen und Finanzprodukte ökologisch/er scheinen, als sie es tatsächlich sind (sogenanntes Greenwashing).

In Kürze wird es zu nachhaltigen Investments im Hartmut Walz Finanzblog einen ausführlichen Beitrag geben.

 

Übrigens noch ein Tipp

Die Markwächter beobachten und analysieren zugunsten der Verbraucher den Finanzmarkt, den digitalen Markt und den Energiemarkt in Deutschland. Dahinter stehen der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und alle 16 Verbraucherzentralen. Damit wird die Markmacht von uns Verbrauchern gestärkt. Eine gute Sache!

 

Und nach diesem ganzen Finanzdienstleistungsinput nun noch ein bisschen Muße in Hamburg:

Schließlich gibt es Wichtigeres als Geld 😉

Herzliche Grüße
Hartmut Walz
Sei kein LeO!

 

* Das institut für finanzdienstleistungen e. V. (iff) ist ein gemeinnütziges Forschungsinstitut. Seit über 30 Jahren setzt es sich für faire und transparente Finanzdienstleistungen, kompetente Verbraucherberatung und unabhängige Informationen über Finanzdienstleister ein. Bei der jährlichen Finanzdienstleistungskonferenz in Hamburg stehen die Auswirkungen auf Verbraucher im Vordergrund. An das iff kann man spenden.

 

Erschienen am 29. Juni 2018.

 

Der Hartmut Walz Finanzblog ist unabhängig, kosten- und werbefrei. Ich erhalte für Links und Empfehlungen keinerlei Honorar, Kick-back, Beteiligung o. ä.

 

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2 Kommentare zu “Brandaktuelle Neuigkeiten von der iff-Konferenz in Hamburg – für Sie prägnant zusammengefasst

  1. Thiemo Faulhaber

    Hallo Herr Professor Walz,
    ich danke Ihnen für den tollen Beitrag zu der Idee der Immobilienrente. Eine interessante Idee!

    Besonders unterstützen möchte ich den Ansatz der Bildung unserer Schüler in Sachen Finanzen und Wirtschaft, da ich selbst schon für befreundete Lehrer an deren Schulen Vorträge hielt, um Schüler beim Berufsstart vor falschen Angeboten zu warnen bzw. die Ansätze für den richtigen Weg zu geben.
    Beim Austausch mit den Lehrkräften kann ich nur betonen, wie kritisch diese die bisherigen Vorträge von gebundenen Vertriebsmitarbeitern (meist Banken) an den Schulen sehen. Handelte es sich hier doch mehr um Werbeveranstaltungen für die eigenen Häuser, als um wirkliche Wissensvermittlung. Das ist sicher nicht im Sinne der Schulen und am wenigsten im Sinne der Schüler.

    Antworten
    1. Walz Artikelautor

      Lieber Herr Faulhaber, leider muss ich Ihre kritische Einschätzung voll bestätigen. Oftmals wird unter dem Mantel der Finanzaufklärung versteckt für das eigene Haus oder eigene Produkte geworben. Das ist völlig kontraproduktiv und schadet dem Kunden wie auch der Gemeinschaft, da diese kaum noch ehrliche Aufklärung von eigennütziger Eigenwerbung unterscheiden kann.
      Herzliche Grüße, Hartmut Walz – Sei kein LeO!

      Antworten

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