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Veränderung von Index-Regeln

Veränderung von Index-Regeln
Update zum Beitrag: SpaceX und andere XXL-Börsengänge in den USA

Dies ist ein Update zum Beitrag:

SpaceX und andere XXL-Börsengänge in den USA vom 13. Juni 2026,
hier aktualisiert am 27.07.2026

In den vergangenen Monaten gab es einen regelrechten Medien-Hype um XXL-Börsengänge – insbesondere die Aktie SpaceX. Gleichzeitig wurden bei vielen (jedoch nicht allen) Aktien-Indizes die Spielregeln verändert – und zwar so, dass XXL-Börsengänge
– erheblich früher,
– zum Teil mit höherem Gewicht und
– aufgeweichten Mindestvoraussetzungen (z.B. ohne nachhaltigen Gewinn)
in den Index aufgenommen werden.

Unsere Sorge war, dass die frühzeitige Aufnahme von XXL-Börsengängen in Indizes nicht im Interesse privater Langfristanleger ist, die populäre Indextracker-ETFs nutzen.

Sondern dass diese Regeländerung vielmehr
– einen eleganten Ausstieg für die bisherigen Eigentümer (Elon & Co.) zu höheren Kursen bewirkt und
– zusätzliche Erträge für Börsen und weitere Finanzdienstleister ermöglicht.

Falls Sie den ursprünglichen Beitrag nicht kennen, können Sie ihn unter diesem Link lesen:
SpaceX und andere XXL-Börsengänge in den USA

Hier finden Sie nun die aktualisierte Zusammenfassung und Bewertung der für Privatanleger nur bedingt verständlichen Veränderungen der Index-Regeln, Stand Ende Juli 2026.

Spoiler: Ein Schalk, wer Böses dabei denkt.

 

Was bisher geschah

Am Freitag, den 12. Juni 2026 fand der Börsengang, IPO [1] von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX statt.

Ob die Aktie zu diesem Zeitpunkt fair bewertet oder durch den immensen Medienhype überbewertet war, sollte für langfristig orientierte Index-Anleger „eigentlich“ völlig irrelevant sein.

Denn diese investieren regelgebunden, prognosefrei, stark diversifiziert und vermeiden damit große Einzelrisiken. Und das ist gut so.

Zudem sahen die Regeln der Index-Anbieter bisher vor, dass Börsenneulinge (unabhängig von ihrer Größe) erst nach einer gewissen Reifezeit (=Seasoning) und bei Vorliegen ausreichender Liquidität (Handelbarkeit) sowie weiterer wirtschaftlicher Mindestanforderungen in den Index aufgenommen werden dürfen.

Mit anderen Worten: Erst nachdem sich der Staub gelegt hat, der größte Rummel und Medienhype abgeklungen ist und sich eine gewisse Informationssicherheit und durch viele Börsentransaktionen abgesicherte Marktbewertung eingestellt hat, beteiligen sich auch Index-ETF-Anleger an Chancen und Risiken von Börsenneulingen.

Die verkürzt als Seasoning- und Liquiditätsanforderungen bezeichneten Regeln zur Aufnahme von Börsenneulingen hatten also bewährte sachliche Gründe.

Info-Kasten: Seasoning- und Liquiditätsanforderungen

Wenn ein Unternehmen an die Börse geht, gelten oft zusätzliche Regeln, bevor dessen Aktien in wichtige Indizes aufgenommen oder in bestimmte Marktsegmente zugelassen werden. Zwei zentrale Begriffe dabei sind „Seasoning“ und „Liquidität“.

Seasoning (Reifezeit)
Die Aktie muss zuerst eine gewisse Zeit „reifen“. Sie muss also schon eine bestimmte Zeit an der Börse gehandelt werden (z.B. mehrere Monate, häufig ein Jahr), bevor sie in wichtige Indizes aufgenommen wird.

Liquiditätsanforderungen (Handelbarkeit)
Es sollen genügend Aktien im Streubesitz (also frei handelbar, nicht in wenigen Händen gebunden) vorhanden und das tägliche Handelsvolumen ausreichend hoch sein, damit Anleger sie problemlos kaufen und verkaufen können.

Die Einhaltung von Seasoning- und Liquiditätsanforderungen schützt Index-Anleger daher vor hoher Volatilität und Risiken, die durch spekulative Marktmanipulationen in der Anfangsphase der Börsennotiz auftreten können.

 

Indexaufnahme von XXL-Börsengängen – zwei wichtige Kriterien

Die Indexaufnahme von XXL-Börsengängen ist daher für private Langfristanleger unter zwei Kriterien relevant:

1. Aufnahmezeitpunkt:
Zu welchem Zeitpunkt bzw. wie schnell nach der Erstnotiz werden die XXL-Börsen-Neulinge in die jeweiligen Indizes aufgenommen?
Kurzum: Wie lauten die Spielregeln der wichtigen Indizes in Hinblick auf die Aufnahme von Börsen-Neulingen?

2.Änderung der Index-Regeln:
Welche Indizes haben die unter 1. genannten Spielregeln in jüngerer Vergangenheit verändert?
Kurzum: Welche Indizes begünstigen durch Regeländerung die Finanzierung von SpaceX und anderen XXL-Börsen-Neulingen – und zwar mit Auswirkung auf die Interessen der Anleger in Index-Tracker-ETFs?

Unsere Sorge zum Zeitpunkt des SpaceX-Börsengangs war also, dass die „Spielregel-Veränderungen“ von Index-Anlagen im Vorfeld des Börsengangs den Interessen von Indexanlegern widersprechen. Und diese Gefahr würde sich bei weiteren Big-Tech IPOs wiederholen.

 

Hintergrundüberlegungen: Wo ist das Problem?

Der Börsengang von SpaceX war der bislang größte der Geschichte – und weitere XXL-Börsengänge großer US-amerikanischer Tech-Konzerne sollten zeitnah folgen.

Da die meisten Börsenindizes nach Marktkapitalisierung gewichten, führen solche Mega-Listings zu deutlichen Index-Verschiebungen. Die Index-Zusammensetzungen ändern sich also nicht nur ein bisschen, sondern ganz erheblich.

Denn: Sobald die XXL-Börsen-Neuzugänge in einen Index aufgenommen werden, erhalten sie vergleichsweise hohe Indexanteile, während bestehende Titel zwangsläufig an Gewicht verlieren oder sogar den Index verlassen müssen.

Unvermeidliche Folge: Die Nachfrage nach Aktien der neu aufgenommenen XXL-Unternehmen steigt zusätzlich. Denn klassische Indexfonds, wie auch börsennotierte Index-ETFs müssen die neuen Titel entsprechend ihrer Indexgewichtung zukaufen und bestehende Positionen entsprechend reduzieren.

Dadurch entsteht zusätzlicher, regelgebundener Nachfragedruck auf die neu aufgenommenen XXL-Unternehmen – unabhängig von deren fundamentaler Bewertung und mit potenziellen Risiken steigender Marktkonzentration und Überbewertungen.

Gleichzeitig kommen die in ihrer Gewichtung reduzierten oder sogar ganz aus dem Index fallenden Aktien unter Verkaufsdruck, was ihren Kurs senkt und damit ihre künftigen Kapitalkosten steigen lässt.

 

Für Langfristanleger in Aktien-Index-ETFs stellt sich daher die Frage, welche Indizes zu welchem Zeitpunkt bzw. mit welcher Zeitverzögerung Börsenneulinge aufnehmen und ob sie dabei die XXL-Unternehmen gegenüber anderen IPOs bevorzugen.

Die nachfolgende Übersicht über Index-Regeln und deren Veränderung bei bekannten und von ETF-Anlegern häufig genutzten Indizes soll zeigen, zu welchen ungefähren Kursen die SpaceX-Aktie vermutlich in die entsprechenden Indextracker-ETFs hineingekauft wurde. [1]

Index-Regeln: XXL-Börsengänge Tabelle Indizes und Index-Anbieter

 

Bisheriger Kursverlauf der SpaceX-Aktie

Der nachfolgende Chart zeigt den Kursverlauf der SpaceX-Aktie von der Erstnotiz am 12.06.2026 bis zum Redaktionsschluss am 27.07.2026. Werte in US-$, Quelle: Eigene Darstellung auf Basis von Daten von Finanzen.net: 

Veränderung von Index-Regeln - Kursverlauf der SpaceX-Aktie_korr

Der Chart ist m. E. selbsterklärend, die große Euphorie scheint erst einmal vorbei. Ex-post-Erklärungen hierfür gibt es – wie immer – zuhauf. Sowohl ein Raketen-Fehlstart bei SpaceX als auch ein spektakulärer „KI-Unfall“ eines Branchenunternehmens sind nur Beispiele für nachträgliche Erklärungsversuche.

 

Wie haben Indextracker-ETFs eingekauft?
Zwischenbefund nach sechs Wochen

Veränderung von Index-Regeln - Börsenhistorie

Quelle: https://www.finanzen.net/historische-kurse/spacex?from=2026-06-12&to=2026-07-27&exchange=NAS

 

Die nachstehende Abbildung zeigt den unglücklichen Zusammenhang auf einen Blick.

Veränderung von Index-Regeln - Kaufkurse und -preise der SpaceX-Aktie in Indizes_korr

 

Interpretation der bisherigen Entwicklung

Die ersten Tage nach der Börsennotiz der SpaceX-Aktie waren durch starkes Medieninteresse mit überwiegend positivem bis euphorischen Tenor gekennzeichnet.

Selbst scheinbar neutrale Berichte trugen dazu bei und schürten – geradezu unvermeidlich – die anlagepsychologische Sorge, hier etwas zu verpassen, wenn man nicht investiert wäre. Der typische FOMO-Effekt: Fear Of Missing Out.

Veränderung von Index-Regeln - FAZ vom 16.6.2026

 

So erreichte dann die SpaceX-Aktie bereits am dritten Handelstag raketenhaft ihr bisheriges Allzeithoch, nämlich am 16.06.2026 einen Kurs von 225,62 US-$ – bevor die Aktie in den Sinkflug überging.

SpaceX-Aktie_bisheriges Allzeit-Hoch

 

Alle ETFs, die sich auf Indizes beziehen, welche eine „Fast-Entry“-Regelung eingeführt hatten, mussten in den nächsten Tagen zwangsläufig SpaceX-Aktien erwerben – nämlich, wie aus der obigen Tabelle erkennbar, am 5., 10. bzw. 15. Handelstag.

SpaceX-Aktie_Aufnahmepreise in Indizes

 

Welcher dieser drei Handelstage den teuersten Einkaufskurs erbrachte, ist wahrscheinlich reiner Zufall. Im konkreten Fall waren es die ETFs auf FTSE-Indizes, die mit ihrer neuen Quick-Entry-Regel nur zwei Tage nach dem bisherigen Allzeithoch SpaceX ins Fondsvermögen einbrachten.

Besonders bemerkenswert: Der Kurs der SpaceX-Aktie ist nach den erzwungenen Einkäufen aller Index-ETFs auf den NASDAQ 100 am 15. Handelstag (das war der 06.07.) bis zum Redaktionsschluss dieses Beitrags nicht wieder ins Plus gekommen.

Mit anderen Worten: Alle ETFs, die eine Fast-Entry-Regel anwandten, sind mit der SpaceX-Aktie kräftig im Verlust.  

 Auch hier trug scheinbar neutrale Berichterstattung wiederum dazu bei, die vor kurzem noch angeheizte Euphorie und FOMO-Emotionen in Verlustängste oder zumindest starke Zurückhaltung zu verwandeln.

So schreibt das gleiche Medium wie oben nur einen Monat später:

Veränderung von Index-Regeln - FAZ vom 14.7.2026

 

Keine anekdotische Einzelfall-Evidenz

Nun könnte man argumentieren, dass man es hinterher immer besser wisse und die frühe Beteiligung von Index-Investoren an Börsen-Neulingen ja in anderen Fällen gerade vorteilhaft sein könne. Das ist grundsätzlich richtig – von Einzelfällen kann nicht auf die generelle Vorteilhaftigkeit oder Unvorteilhaftigkeit geschlossen werden.

Jedoch gibt es sehr überzeugende Hinweise, die nahelegen, dass Börsen-Zugänge (Fachausdruck IPO) eine klar unter dem Durchschnitt von bereits länger börsennotierten Unternehmen liegende Performance erwarten lassen.

Professor Jay R. Ritter von der University of Florida hat zum empirischen Nachweis eine IPO-Datenbank erstellt, anhand derer er die Wertentwicklung von über 9.000 US-amerikanischen IPOs der Jahre 1980 bis 2023 erfasst.

Sowohl im Vergleich zum Gesamtmarkt etablierter Börsenunternehmen als auch im Vergleich mit etablierten Börsenunternehmen der gleichen Größenklasse liegen die IPOs im Rückstand.

Diese ernüchternde Erkenntnis konnte er – natürlich mit gewissen Schwankungen – für unterschiedliche Betrachtungszeiträume nachweisen. Und gerade in der jüngeren Vergangenheit war sie besonders hoch. [3]

Zudem weist Ritter nach, dass Privatanleger oft Nachteile gegenüber institutionellen Investoren bei der Zuteilung haben, also im Vergleich einfach zu teuer kaufen.

Kurzum: Fast-Entry Regeln liegen offenbar nicht im Interesse von Privatanlegern, sondern eher im Interesse der bisherigen Eigentümer, Spekulanten und Handelsplattformen.

 

Fazit soweit

Was das für Privatanleger bedeutet habe ich in diesem Beitrag am Ende unter dem Punkt „Und was bedeutet das für Sie als privater Langfristanleger?“ erläutert. Diese Schlussfolgerungen halte ich uneingeschränkt aufrecht.

Leider hat sich unsere Sorge bestätigt und die Öffentlichkeit und gegebenenfalls die Regulierungsbehörden müssen die Regelwerke von Index-Anbietern stärker in den Blick nehmen, damit XXL-IPOs nicht zu einem Selbstbedienungsladen und Zwangskäufe durch Index-ETFs nicht zur risikoarmen und lukrativen Exit-Möglichkeit von Alteigentümern wie Elon & Co werden.

Das Hinterfragen von Fast-Entry Regeln könnte ein Anfang sein. Und ihre Rücknahme bzw. Abschaffung nach Würdigung der Fakten und Forschungslage (Dank an Professor Jay R. Ritter von der University of Florida, aber auch andere) könnte eine Maßnahme der Indexanbieter sein, um verlorenes Vertrauen von Privatanlegern zurück zu gewinnen.

Ich freue mich über weiteren Gedankenaustausch dazu.

Herzliche Grüße
Hartmut Walz

[1]  IPO = Initial Public Offering, also erstmalige Börsennotiz

[2]  Zu welchen Kursen und an welchen Tagen die jeweilige ETFs tatsächlich SpaceX-Aktien ins Fondsvermögen aufgenommen haben, konnte nicht recherchiert werden. Eine wissenschaftlich belastbare Analyse dieser Fragestellung wird als Thema für eine Masterarbeit oder Doktorarbeit vorgeschlagen 😊

[3]  Die These, dass die verstärkte Underperformance von IPOs in der jüngeren Vergangenheit mit einem noch nie dagewesenen Medienhype zusammenhängt, klingt plausibel, ist jedoch bislang nicht bewiesen.

 

Erschienen am 27. Juli 2026.
Der Hartmut Walz Finanzblog ist unabhängig, kosten- und werbefrei. Ich erhalte für Links und Empfehlungen keinerlei Honorar, Kick-back, Beteiligung o. ä.

 

 

19 Kommentare zu „Veränderung von Index-Regeln“

  1. Vielen Dank für den Punkt, dass es bei den Index-Regel-Änderungen nicht nur um SpaceX geht, sondern um die Frage, ob Governance-Standards künftig für jeden prominenten Mega-Börsengang neu verhandelt werden.
    Dass Mindestanforderung, die als Anleger-Schutzregeln eingeführt wurden, wahlweise wieder aufgeweicht werden, lässt passive ETF-Anleger irgendwie „ausgeliefert“ zurück.
    Kurzfristig und ohne jede Mitsprache der ETF-Sparer Anleger-Schutz-Vorschriften über Bord zu werfen, sobald ein prominenter Einzelfall drängt, zerstört Vertrauen.
    Danke für Ihre Verbraucher-Weitsicht.

    Antworten
  2. „ dass Musk der Welt bereits 2015 für das Jahr 2017 autonom fahrende Autos versprochen hat, die bis heute noch nicht existieren“

    Wieso behaupten Sie so etwas ?
    Leicht nachprüfbar falsch – FSD ist in den USA und anderen Ländern seit einigen Jahren im Einsatz in diversen Modellen. Die Autos fahren teils sogar komplett ohne Fahrer.
    Sogar einige EU Länder haben bereits FSD Zulassung – und hier in Weinstadt fahren auch autonome Teslas rum.

    Antworten
    • Lieber Dieter Bergmeister, der Stand heute ist:
      Teslas Full Self-Driving heißt inzwischen meist FSD (Supervised) und bleibt technisch und regulatorisch ein Fahrerassistenzsystem der SAE-Stufe 2 – also kein vollautonomes Fahren.

      Der Fahrer muss also den Verkehr fortlaufend überwachen und jederzeit unverzüglich eingreifen können. Ein Modus, in dem das Fahrzeug die Fahraufgabe eigenverantwortlich übernimmt und der Fahrer von der Überwachungspflicht entbunden wäre (autonomer Modus ), ist damit nicht gegeben.

      Deshalb habe ich habe geschrieben:
      Offenbar ist es längst vergessen (oder verziehen), dass Musk der Welt bereits 2015 für das Jahr 2017 autonom fahrende Autos versprochen hat, die bis heute noch nicht existieren.

      Und das stimmt so.

      Herzliche Grüße, Hartmut Walz – Sei kein LeO!

      Antworten
  3. Vielen Dank, Herr Professor Walz, dass Sie Aufmerksamkeit auf dieses Thema lenken.

    Ich denke, man sieht aus der Diskussion, dass man hier zwei Perspektiven unterscheiden muss: Erstens, Ihre Perspektive als Aufklärer und Verbraucherschützer und zweitens die individuelle Perspektive des Privatanlegers. Ihre Leser (und ich) haben wohl überwiegend die zweite Perspektive. Ich frage mich, was nun ganz praktisch zu tun ist?

    Umschichten wäre meines Erachtens v.A. wegen der steuerlichen Belastung zum heutigen Zeitpunkt eine ziemlich heftige Überreaktion. Damit blieben zwei Handlungsoption übrig: Entweder wegen Marginalität auf individueller Ebene ignorieren (siehe Vorredner) oder als „sanfte Reaktion“ ab jetzt neues Geld in ETFs leiten, die konservative Aufnahmeregeln haben, also z.B. die berühmten Münchner ETFs (da müsste man dann nochmal genauer hinschauen) oder mir erscheint nun im Lichte dieses Blog-Beitrags das Pärchen aus MSCI World exUSA und S&P 500 interessant, zumal es hier auch sehr günstige ETFs gibt.

    Am besten wäre es natürlich, wenn möglichst viele Verbraucher nun auf die Aufnahmeregeln achten und sich das bei den Anbietern herum spricht und das dann zu entsprechenden Angeboten führt. Damit wären wir wieder bei der ersten Perspektive. Ich werde jedenfalls die Augen offen halten und freue mich auf Updates.

    Viele Grüße,
    Michael Z.

    Antworten
    • Lieber Michael Z., Ihren Überlegungen stimme ich zu – und stelle eine starke Übereinstimmung Ihrer „sanften Reaktion“ mit meiner Schlussfolgerung in meinem ursprünglichen Beitrag, auf die ich verwiesen hatte, fest. Wachsamkeit ist angebracht. Überzogene und emotionale Reaktionen wären jedoch schädlich. Also halten wir beide die Augen offen 😉
      Herzliche Grüße, Hartmut Walz – Sei kein LeO!

      Antworten
  4. Lieber Herr Prof. Walz,
    bezüglich Solactive schrieb Stiftung Warentest am 09.07. zu der Thematik, dass „der Indexanbieter Solactive sein Regel­werk für große Börsengänge ergänzt. Diese können nun schon zehn Handels­tage nach der Börsen­einführung in Solactive Indizes aufgenommen werden. Statt die Bedingungen für ausreichenden Streu­besitz an eine Quote zu koppeln (Beispiel: mindestens 10 Prozent Streu­besitz), müssen die im Streu­besitz befindlichen Aktien einen Wert von mindestens einer Milliarde Dollar aufweisen.“

    Welche Darstellung ist nun richtig?

    Quelle: https://www.test.de/Folgen-fuer-ETF-Anleger-SpaceX-landet-in-fast-jedem-Depot-6312506-0/

    Antworten
    • Lieber Wolfgang K., Ihre Frage ist schnell beantwortet:
      Bitte unterscheiden Sie zwischen Index-Anbieter (FTSE, MSCI, Solactive usw.) und ETF-Anbieter (z.B. Vanguard, Amundi, XTracker). Und jetzt müssen Sie bei einem ETF Ihres Interesses lediglich schnell nachschauen, auf welchen Index sicher dieser bezieht. Meine Tabelle im Blogbeitrag ist Ihnen dabei eine gute Hilfe.
      Herzliche Grüße, Hartmut Walz – Sei kein LeO!

      Antworten
  5. Zum einen sind Indexfolger auf den FTSE All World aufgrund der schnellen Geschäftspolitischen Änderung des Indexanbieters und Einführung Fast Entry Regel nicht mehr „genießbar“ bzw. haben mein Vertrauen nicht mehr. Diese Regeländerung kam viel zu schnell und widerspricht wissenschaftlichen Erkenntnissen. Zum anderen bewerben Sie , dass Vanguard beim FTSE All World ETF die Gebühren um 5 Basispunkte senkt. Ist das Zufall oder Strategie, dass Vanguard just nach der schnellen Regelung des Indexanbieters die Gebühren senkt, um die negativen Schlagzeilen dazu mit einer positiver Meldung zu garnieren? Am Ende kommt es nicht auf den letzten ersparten Basispunkt an, sondern auf regelgebundene, evidenzbasierte Indexabbildungen und Indexanbieter. Deswegen ist es mE sinnvoll, Fonds zu nutzen, die andere Indizes als den FTSE All World abbilden, egal ob jetzt 0,14% oder 0,2% Kosten p.a. anfallen.

    Antworten
    • Lieber Hans-Joachim Barth, ich sehe meine Aufgabe darin, einerseits unaufgeregt und neutral Sachverhalte bzw. Entwicklungen für Privatanleger aufzuzeigen.
      Ihre Vermutung, dass Vanguard die Kosten senkt, um „negative Schlagzeilen mit einer positiver Meldung zu garnieren“ erscheint mir wenig plausibel, da Vanguard schon seit einigen Jahren regelmäßig die Kostenstellschraube nach unten dreht.
      Meine Vermutung ist eher, dass preisgünstigere Angebote für Welt-ETFs Vanguard zu einer weiteren Kostensenkung motiviert haben.
      Der Anteil der durch die Regeländerung in den FTSE All-World aufgenommenen Aktien ist (noch) sehr klein und rechtfertigt m.E. keine emotionale Überreaktion (z.B. einen steuerschädlichen Ausstieg).
      Bei Neuanlagen würde ich jedoch auf die Index-Regeln achten.
      Und wer die Wucht der Exponentialfunktion verstanden hat, wird den Unterschied zwischen 0,07%0, 14% oder 0,2% Kosten bei einer Langfristanlage als relevant erkennen.
      Herzliche Grüße, Hartmut Walz – Sei kein LeO!

      Antworten
  6. Lieber Herr Walz,
    entscheidend ist mE nicht wann, zu welchem Kurs SpaceX in die versch. Indices aufgenommen wurde, sondern welchen Anteil in % die Aktie in den Indices hat, um verstehen zu koennen, ob das jetzt ein Problem fuer Index-ETF-Anleger ist oder nur Peanuts?
    Auswahl:
    Index Datum der Aufnahme Geschätztes Anfangsgewicht
    FTSE All-World 22. Juni 2026 ~0,08 %
    MSCI World 29. Juni 2026 ~0,1 %
    MSCI ACWI 29. Juni 2026 leicht < 0,1 %
    Nasdaq-100 7. Juli 2026 ~1 % (teils 0,5–0,8 % genannt)
    S&P 500 noch offen (frühestens 2027) –

    Ehrlich gesagt, fuer Basis-Anlagen macht mir 0,1% vom Index selbst bei einem ueberhoehtem Preis keine Bauchschmerzen!
    (und in Nasdaq100 sollten wir ja nur als Satellite investieren, oder?)

    LG Joerg

    Antworten
    • Lieber Joerg, auch wenn Sie vordergründig und bei kurzfristiger Sichtweise absolut Recht haben, erlauben Sie mir bitte, dass ich Ihnen respektvoll widerspreche.

      (1) Der von Ihnen mit der marginalisierenden prozentualen Darstellungen „beschönigten“ Sichtweise stehen sehr hohe absolute Anlegerverluste (egal ob in Euro oder US-$ gerechnet) gegenüber.

      (2) Auch wenn ich sicher kein „Prinzipienreiter“ bin, geht es mir hier im Interesse von Privatanlegern ums Grundsätzliche. Wenn Sie eine Tür mit einer schädlichen Entwicklung auch nur einen Spalt breit öffnen, dann ist sie trotzdem geöffnet und kann bei den nächsten „Fällen“ erheblich größeren Schaden bewirken – ohne, dass die adäquate Aufmerksamkeit erzielt wird.

      Wie oft wurden schon Steuern mit minimalen Steuersätzen eingeführt, die eine Aufregung nicht lohnten und dann schleichend Schritt für Schritt angehoben?

      Ganz nach dem Motto „wehret den Anfängen“ tue ich daher mein Bestes, um Privatanleger vor Fehlentwicklungen zu „warnen“ und die Aufmerksamkeit auf kritische Entwicklungen zu lenken BEVOR sich ein – ggfs. unumkehrbarer – Schaden manifestiert hat.

      Dass Sie den geschilderten Sachverhalt nur kurzfristig und für Ihre persönliche Anlage bewerten, kann ich gerne respektieren, entspricht jedoch nicht dem Anspruch an eine vorausschauende Information für eine breite Leserschaft.

      Herzliche Grüße und vielen Dank für Ihren Komemntar, Hartmut Walz – Sei kein LeO!

      Antworten
      • Lieber Herr Walk, vielen Dank.

        Was meinen Sie mit (1) „sehr hohe absolute Anlegerverluste (€/USD)“?

        a) meinen Sie, dass, wenn der SpaceX-Kurs in einem Jahr um weitere 50% gefallen waere, dass dann die ETF-Anleger mit einem Index-Produkt in Summe „dumm“ dran waeren?
        Oder in 2 Jahren, oder in 5 Jahren?
        Was ist mit 10 Jahren oder 15 Jahren (bei Altersvorsorge)?
        Wir koennen doch nie genau wissen, wie sich ein Investment auf eine Aktie, die Teil in einem Indexprodukt ist, kurz/mittel oder langfristig entwickelt?
        Klar, kommt mir die Bewertung von SpaceX auch utopisch vor, aber da gibt es doch viele Aktien in (m)einem Index-Produkten, bei denen ich dieses Gefuehl habe? So ist das halt, wenn man den „ganzen Heuhaufen“ kauft. Wir haben doch keine Option?

        Letztendlich akzeptieren wir, dass die Entwicklung des amerikanischen Aktienmarktes besonders vorteilhaft fuer dtsch Anleger ist, und investieren entsprechend! Fast alle Unternehmen (die Besten der Welt?), die viel Risiko-Kapital brauchen, gehen nicht nach Europa oder Asien sondern lassen sich bewusst in Amerika listen.
        Klar, waere es schoener, wenn die Entry-Rules nicht aufgeweicht wuerden (werden sie ja auch gar nicht – fuer alle anderen – 😉 )
        Mir scheint, das war mit SpaceX einfach ein Sonderfall, eine Aussnahme und keine Regel?

        (2) ist fuer mich OK.

        LG Joerg

        Antworten
  7. Guten Abend Herr Prof. Walz,
    schön ist das in der Tat nicht. Aber was will man man machen, wenn man aus Gründen der Bequemlichkeit auf Depots mit wenigen ETFs steht?
    Europa habe ich eher Zuviel als zu wenig. In Asien treiben Chiphersteller eine ursprünglich kleine Position in unbekannte Höhen. Und der hyperdiversifizierte ETF eines namhaften Münchener Vermögensverwalters, dessen Konzept mir von Tag zu Tag klüger erscheint, landet aus Geiz wegen der hohen TER nicht in meinem Depot. Ich habe mir vorgenommen, diese Vorgänge zu ignorieren (es gelingt mir nicht wie dieser Kommentar zeigt) und darauf zu hoffen, dass ich Musk‘S Bude in 20 Jahren genauso bewundere wie heute das Werk von Bezos (das ich vor 20 Jahren genauso verrückt fand wie heute die Raketen-Geschichte; wer brauchte denn damals auch schon Onlinehandel?). Das 1-ETF-Depot scheint bis auf weiteres tot zu sein, es sei denn, man zahlt die in München aufgerufene TER.
    FG
    H.

    Antworten
    • Hallo H.,
      SpaceX bei Sicherheit — fair, aber nicht gratis. Seit ’99 fahre ich die selbe Strategie: Kein Totalausfall, egal bei Aktie oder ETF darf mein Vermögen gefährden. Dafür ist der mögliche Gewinn begrenzt
      TER-Sorgen kenne ich. Manche Münchener Produkte kosten Nerven, aber Einzelkämpfer müssen auch leben. TER nicht Vanguard-Niveau, aber für mich passt’s. Ich habe mich für Tu felix Austria entschieden
      Bei mir sind es~40% US-Gewichtung über alles, bei trotzdem ordentlicher Rendite. Außerhalb US gibt es vergleichbare Chancen bei geringerem Pulsschlag. Für uns Kleinstanleger funktioniert’s.
      Fazit: 1-ETF-Depot nicht tot, solange man Kompromisse akzeptiert. Boutique-ETF darf mitverdienen und wäre dann meine bevorzugte Wahl, wie du selber resümierst
      Entspannte Grüße
      MSSTDF

      Antworten
      • Liebe/r MSSTDF, danke, dass Sie Ihre Überlegungen hier teilen.

        Was für Sie richtig erscheint, muss anderen nicht unbedingt passen. Es ist immer die Frage, mit welchem Maßstab („Benchmark“) man sich vergleicht und die von Ihnen genannten „Münchner Produkte“ mögen vielleicht nicht die niedrigsten Kosten aufweisen, sind jedoch immer noch um Faktor 4 bis 5 unter dem, was traditionelle Anbieter von Banken und Sparkassen als „marktüblich“ bezeichnen.

        Als meine wichtigste Aufgabe empfinde ich es, auf negative Entwicklungen frühzeitig hinzuweisen und Privatanleger zu „warnen“, bevor „das Kind in den Brunnen gefallen“ ist.

        Völlig okay, dass Ihre und meine Perspektive daher ein wenig von einander abweichen 😉

        Herzliche Grüße und weiterhin viel Erfolg, Hartmut Walz – Sei kein LeO!

        Antworten
    • Marketing wie „hyperdiversifiziert“ sollte man nicht all zu hoch hängen.

      Ansonsten gilt: nicht Kirre machen lassen. Genau das gleiche Kopfzerbrechen haben sich viele Leute bereits vor 5, 10 oder 15 Jahren gemacht. Heute würde man darüber lachen, sind deren wichtige Schlagzeilen und News aus der Finanzszene doch längst in Vergessenheit geraten. Der Begriff „Astrologie für Männer“ trifft es dabei ziemlich gut:

      – es eine riesige Flut an Material gibt. Quasi jede größere Bank, jedes größere Fondshaus, Nachrichtenseiten, „Analysten“ etc. bieten ihre Weisheiten, zum täglichen oder wöchentlichen Geschehen, kostenlos und zugänglich an . (Das unterscheidet solche Seiten auch von Seiten wie von Hr. Walz, mit Informationen mit deutlich höherem „Haltbarkeitsdatum“ 😉 )
      – eigentlich weiß fast jeder, dass man das alles nicht ganz ernst nehmen sollte
      – man sich zu 99% nie wieder an das Zeug erinnert was vor 4 Wochen geschrieben worden ist
      – man trotzdem regelmäßig genau dieses Zeug wieder liest

      Dass der FTSE-All-World als 1-ETF-Lösung tot ist, aber der Kommer dann leben soll, ist schon gewagt. Im Kommer sind mit Micron, TSMC, Nvdia auch die bekannten Toppositionen drin. IT ist mit knapp 26% der größte Sektor. Niedrigere Gewichtungen, aber nah genug dran. Was der ähnliche Kursverlauf ebenfalls aufzeigt. Nicht identisch oder wertgleich, aber doch sehr nahe dran mit der Tendenz für die Richtung. Wenn das eine Produkt gute und auskömmliche Renditen haben wird, dann wird es auch das andere Produkt mehr oder weniger. Kommer steht es natürlich frei den Index irgendwann deutlich größer zu ändern. Aber mit breit gestreut in vor allem Blue Chips gibt’s eben auch deren Rendite.

      Darüberhinaus gibt es auch noch Produkte wie den Invesco RAFI All-World Fundamental Value (52% USA-Anteil, ähnlich wie beim Kommer). Weiß nicht ob Links auf Fondsweb, einer sehr guten Vergleichsseite für Fonds, erlaubt sind, aber da kann man sich das alles schön anschauen und vergleichen.

      Antworten
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