Ihr Geld und das Risiko – Zusammenspiel von Intuition, Ratio und Emotionen

16. Oktober 2020

IHR GELD UND DAS RISIKO – ZUSAMMENSPIEL VON INTUITION, RATIO UND EMOTIONEN
10.
Finanzgespräche

 

Ein Jubiläum: Am 08. Oktober 2020 fanden die 10. Finanzgespräche statt. In Corona-Zeiten ist auch da nichts wie gewohnt. Und doch war es eine rundum gelungene Veranstaltung.

 

 

Die Finanzgespräche fanden anstelle in der Aula diesmal in einem großen Vorlesungssaal der Hochschule statt. Dort konnten die Sitzplätze mit weiten Abständen verteilt werden. So durften sich rund 80 Zuhörer einfinden. Nur rund ein Viertel der sonst üblichen Besucher. Aber immerhin.

Die Gastreferentin Monika Müller von FCM Finanz Coaching war per Video für ihre Vortragsteile zugeschaltet. Obwohl sie bei nahezu allen früheren Finanzgesprächen als Zuhörerin dabei war, konnte sie aufgrund familiärer Verhinderung diesmal nicht persönlich anwesend sein. Und doch war sie mitten unter uns. Der Technik sei Dank.

 

Willkommen Monika Müller

 

Vorab noch ein großes Dankeschön an alle Beteiligten für die gute Organisation und das mittlerweile schon übliche coronakonforme Verhalten der TeilnehmerInnen.

Und das, obwohl das Erleben und Empfinden von Risiken ja nachweislich sehr subjektiv sind. Womit wir auch direkt im Thema sind. „Ihr Geld und das Risiko – Zusammenspiel von Intuition, Ratio und Emotionen“, so lautete der Titel der 10. Finanzgespräche.

 

Monika Müller, FCM Finanz Coaching

Monika Müller, Dipl.-Psychologin und Gründerin von FCM Finanz Coaching in Wiesbaden plädierte überzeugend dafür, bei den eigenen Finanzentscheidungen die oben genannten drei wesentliche Elemente mit einzubeziehen: Ratio, Gefühle (Emotionen) und Intuition.

Dabei stützte die sich auf diverse wissenschaftliche Studien. Und fragte die TeilnehmerInnen ganz konkret: Wie treffen Sie Entscheidungen?

Machen Sie selbst den Test: Vergeben Sie je eine Prozentzahl – je nachdem, wie groß Sie den Anteil an Ihren Entscheidungen annehmen für

  • Ratio
  • Emotionen
  • Intuiton.

In Summe müssen die drei Prozentzahlen 100% ergeben. Und wahrscheinlich werden Sie erstaunt sein.

Eigentlich wünscht sich wohl jeder für seine Finanzentscheidungen eine vor allem rationelle Entscheidung. Gefühle wie Unsicherheit, Selbstüberschätzung, Angst oder Neid spielen aber oft eine größere Rolle, als wir es uns wünschen – oder sogar, als wir es uns selbst eingestehen. Und die Intuition?

Die Expertin Müller ist basierend auf der Forschung von Prof. Gerhard Roth überzeugt, dass die ideale Finanzentscheidung die „aufgeschobene intuitive Entscheidung“ ist.

Also mindestens einmal drüber schlafen – und das Bauchgefühl, sozusagen als „verdammt klugen Kopf“ ebenfalls zu Wort kommen lassen.

Lesen Sie dazu hier auch den jüngsten Gastbeitrag von Monika Müller im Hartmut Walz Finanzblog.

 

Monika Müller mitten unter uns

 

Bedenkenswert und ungemein hilfreich

Monika Müller zeigte zwei zentrale Dimensionen auf, wie wir finanzielle Risiken definieren, verstehen und erleben.

Zum einen sollte sich jeder klar darüber werden, ob er Risiko nur einseitig, als Schaden wahrnimmt oder zweiseitig, als Gewinn- und Verlustmöglichkeit.

Zum anderen ist wichtig, ob wir Risiko schicksalhaft, sozusagen als „gottgegeben“ ansehen oder als selbst gestaltbar.

Bei Paarentscheidungen, aber auch im Gespräch zwischen Kunde und Finanzberater ist es wichtig, sich gegenseitig die jeweilige Definition von finanziellem Risiko bewusst zu machen. Sonst redet man wunderbar aneinander vorbei, wie Monika Müller aus ihrer Coaching-Praxis bestätigte.

 

Risiko ist relativ

Gerne ergänzte ich in meinem Vortragspart, dass Risiko relativ ist und bot zwei weitere Überlegungen. Bitte fragen Sie sich:

Messe ich Verlust und Gewinn in nominellen Größen (Geld, Währung) oder realen Größen (Tassen Cappuccino, Kilo Kartoffeln)?

Zum anderen: Wächst oder sinkt mein finanzielles Risiko über die Zeit? Während sich beispielweise Kursrisiken von Aktien oder Fonds mit wachsendem Zeithorizont relativieren, steigen das Inflationsrisiko sowie das Ausfallrisiko mit wachsender Dauer an.

Das gilt übrigens auch für Lebensversicherer! Denn was sind z. B. nominelle Beitragsgarantien bei Riester- und Rürup-Verträgen tatsächlich wert? Hier streben die KundInnen nach Sicherheit. Erhalten jedoch garantiert das Inflationsrisiko und sogleich noch das Vehikelrisiko (Gefahr der Insolvenz oder Schieflage des Versicherers) dazu.

Lesen Sie auch Kapitel D6 „Verunsicherte Versicherte“ in meinem Buch „Einfach genial entscheiden in Geld- und Finanzfragen“.

Und hier den Blogbeitrag „Garantiert düpiert: Wertlose Garantien der Versicherer“.

 

Unterscheidung von Deep Risk und Shallow Risk

Zusätzlich gab ich den ZuhörerInnen die wertvolle Unterscheidung zwischen Deep Risk und Shallow Risk zu bedenken. Also die Unterscheidung in schwerwiegende, langfristig und unumkehrbar wirkende Risiken einerseits und nur vorübergehende und nicht existentielle Risiken andererseits.

Schwankende Aktien- und Währungskurse zähle ich übrigens zu diesen oberflächlichen Risiken (Shallow Risk), von denen wir uns nicht verrückt machen lassen sollten. Was schwankt, lebt und was sich biegt, das bricht nicht.

Wir sollten unser Augenmerk besser auf die fünf Deep Risk konzentrieren, nämlich Inflation, Deflation, Zerstörung, Enteignung oder Insolvenz. Hier lauern die tatsächlichen finanziellen und wirtschaftlichen Gefahren.

Lesen Sie hier den Blogbeitrag „Deep Risk: Diese 5 Risiken gefährden Ihre Langfristanlage und Vorsorge“.

 

Monika Müller zum Zweiten

Im zweiten Vortrag ging Monika Müller auf die finanzielle Risikobereitschaft als Persönlichkeitsmerkmal ein.

Sie zitierte die allseits anerkannte Definition finanzieller Risikobereitschaft als das Ausmaß, in dem eine Person negative Konsequenzen (Verluste) in Kauf nimmt, um ein positives Ergebnis (Gewinne) zu erreichen.

Monika Müller betonte, dass Finanzentscheidungen besser werden, wenn wir unsere Risikobereitschaft kennen und nicht gegen diese handeln. Wir fühlen uns wohler mit unseren Finanzentscheidungen und wir halten sie auch durch (z. B. steigen wir bei einem Aktiencrash nicht gleich aus), je mehr sie unserer eigenen Risikobereitschaft entsprechen.

Nur so ist eine langfristige, robuste Anlagestrategie möglich.

Lesen Sie hier auch ihren Gastbeitrag „Ihre Persönlichkeit zählt: Die wichtigste Ressource für bestmögliche Finanzentscheidungen“.

Zu diesem spannenden Thema hat Monika Müller ein Buch geschrieben: Erfolgreich mit Geld und Risiko umgehen. Das ist angewandte Finanzpsychologie.

 

Buch Monika Müller

 

Vielen Dank, Monika Müller, für diesen Input!

 

Ausklang

Zwar entfiel das allseits so geschätzte Beisammenstehen und fachliche Austauschen nach der Veranstaltung. Die dankbaren und zuversichtlichen Rückmeldungen der TeilnehmerInnen zeigen mir jedoch, dass wir Menschen soziale Wesen sind – die doch immer wieder auch die persönliche Begegnung brauchen.

Am Ende möchte ich das überschaubare Risiko anerkennen, welches die TeilnehmerInnen mit ihrer Anwesenheit an diesem Abend eingegangen sind  😉

Ich wünsche allen eine gesunde Zeit!

 

Videolink

Hier der kostenfreie Link zum Video der Veranstaltung.

 

Vorschau

Die nächsten Finanzgespräche finden übrigens am 22. April 2021 um 19.00 Uhr statt. Hoffentlich wieder in der Aula der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen a.Rh.

Diesmal als provokante Podiumsdiskussion mit dem Titel „Die Bank gewinnt immer!(?)“. Zu Gast: Dr. Gerhard Schick, Gründer und Vorstand der Bürgerbewegung Finanzwende e.V.

 

DrGerhardSchick_Die Bank gewinnt immer

 

 

Ich habe nichts dagegen, wenn Sie – ganz risikolos – diesen Blogbeitrag weiter empfehlen.

Herzliche Grüße
Hartmut Walz
Sei kein LeO!

 

Erschienen am 16. Okt. 2020.
Videolink ergänzt am 09. Nov. 2020.

Der Hartmut Walz Finanzblog ist unabhängig, kosten- und werbefrei. Ich erhalte für Links und Empfehlungen keinerlei Honorar, Kick-back, Beteiligung o. ä.

 

 

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