GUTE LAUNE MIT PASSIVEM EINKOMMEN –
Historische Dividendenrenditen machen Ihnen Freude

Dividenden sind wesentlich und erfreulich. Und können bei breit gestreutem Investment ein recht stabiles passives Einkommen erzeugen. Und besonders positiv:

 

Dividendenpapiere erzeugen eine dynamisch anwachsende Rente. Die im Durchschnitt seit Jahrzehnten schneller steigt, als die Inflationsrate. Und dies nach aller Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft tun wird.

 

Gute Aussichten für kluge Langfristanleger

In diesen Wochen des Jahres jetzt schütten die meisten Unternehmen ihre Dividenden aus. Mehr dazu in meinem Blogbeitrag „Für Aktionäre ist Erntedankfest im Frühjahr“.

 

Kennziffer: Dividendenrendite

Wahrscheinlich können Sie mit dem Begriff der Dividendenrendite etwas anfangen. Die Kennziffer besagt, wieviel Prozent die Gewinnausschüttung eines Unternehmens (Achtung: vor Kapitalertragsteuer!) im Verhältnis zum aktuellen Kurs der Aktie ausmacht.

Die Dividendenrendite gibt also an, welche prozentuale Ausschüttung Sie im Verhältnis zu dem von Ihnen aktuell (also dem derzeitigen Kurs) in der Aktie gebundenen Kapital erzielen können.

So weit so gut. Aber: Haben Sie schon mal etwas von der „Historischen Dividendenrendite“ gehört?

Bei der Historischen Dividendenrendite wird die aktuelle Ausschüttung als Prozentwert auf den beim früheren Aktienkauf erforderlichen Kapitaleinsatz berechnet. Also auf den Einstiegskurs, zu dem Sie die Aktie einst gekauft haben.

 

Beispiel Frau Fuchs

Die Anlegerin Frau Fuchs kaufte im Jahr 2000 einhundert XY-Aktien zum Preis von 23,40 Euro pro Stück. Die jetzt im April zur Auszahlung gelangende Dividende beträgt 2,90 Euro je Aktie. Der aktuelle Kurs der Aktie liegt bei 72,15 Euro.

Die üblicherweise berechnete – und in vielen Quellen berichtete (aktuelle) – Dividendenrendite beträgt 4,02%. Errechnet aus 2,90 Euro * 100 / 72,15 Euro. Diese Kennziffer bezieht sich auf die aktuelle Kapitalbindung und ist somit auch für alle Anleger identisch.

Frau Fuchs bezieht jedoch die aktuelle Dividende von 2,90 Euro auf den Kapitaleinsatz, den Sie im Jahr 2000 investiert hat. Und ermittelt mit 2,90 Euro * 100 / 23,40 Euro ihre ganz persönliche Historische Dividendenrendite von 12,39%.

Diese Größe ist nicht allgemeingültig. Denn sie stimmt nur bei den Investoren, welche die Aktie ebenfalls zu exakt diesem Kurs erworben haben.

Sicherlich gibt es Anleger, die die gleiche Aktie noch preiswerter erworben haben und damit eine noch höhere individuelle Historische Rendite erzielen.

 

Beispiel Telekom-Aktie

Und es gibt unglückliche Telekom-Aktionäre, die auf der Höhe der Euphorie rund 100 Euro für eine Telekom-Aktie bezahlten und am 28. März 2019 bei einer Ausschüttung von 70 Cent pro Aktie sehr einfach ihre Historische Rendite von 0,7% errechnen können.

Während die aktuelle Dividendenrendite beim aktuellen Kurs von ca. 17,70 Euro je Telekom-Aktie immerhin bei 3,95% und damit mehr als das fünffache beträgt.

Der Glückspilz, der die Telekom-Aktie im Jahr 2012 zum Tiefstkurs von 7,68 Euro erworben hat, kann sich sogar über eine Historische Dividendenrendite von 9,1% freuen.

 

 

Warum machen Historische Dividendenrenditen meist glücklich?

Die Antwort ist simpel: Weil Aktienkurse in der Mehrzahl der Fälle steigen und somit die Historischen Einstiegspreise meist niedriger sind als die aktuellen Kurse.

Und wenn der Nenner bei konstantem Zähler kleiner ist, dann kommt eben eine höhere Rendite heraus.

Also sehr simple Mathematik.

 

Und je länger der Kaufzeitpunkt in der Vergangenheit liegt, desto stärker ist dieser Effekt.

Mit anderen Worten: Wer ein Portfolio aus unterschiedlichen Aktien schon seit Jahrzehnten besitzt, wird im Durchschnitt eine sehr hohe – auf alle Fälle zweistellige – Historische Dividendenrendite erzielen.

 

Und warum ist die Historische Dividendenrendite nicht entscheidungsrelevant?

Ganz einfach, weil Anleger ja ihre Aktien zum heutigen Kurs verkaufen könnten.

Nehmen wir den ganz überwiegenden Fall, dass durch das langfristige Halten der Aktien Kursgewinne angefallen sind. Dann könnten Anleger diese Gewinne realisieren und ihren Verkaufserlös anderweitig renditesuchend anlegen.

Historische Dividendenrenditen beantworten eine Frage, die – rein sachlich betrachtet – völlig irrelevant ist. Sie zeigt lediglich, ob Anleger – im Nachhinein betrachtet – in der Vergangenheit günstig oder aber teuer „eingekauft“ haben.

Jedoch können wir unsere Historischen Entscheidungen nicht mehr korrigieren. Vorbei ist vorbei. Und deswegen sind Kenngrößen auf Historische Daten nicht entscheidungsrelevant, sondern bestenfalls für Statistikfans interessant.

 

Mehr über die Entscheidungsrelevanz von Daten lesen Sie im Kapitel B 10 „Das schicksalhafte Glas Bier“ in meinem Buch „Einfach genial entscheiden in Geld- und Finanzfragen“.

 

Richtige Entscheidung durch positive psychologische Verzerrung

Und trotzdem bin ich ein bekennender Fan der Historischen Dividendenrendite. Denn psycho-logisch (ver-)führt uns diese Kennzahl konsequent zu der richtigen Entscheidung. Nämlich der Entscheidung zu Aktien.

Oder (hoffentlich kostengünstigen und transparenten) Anlagevehikeln, die Aktien enthalten.  Also beispielsweise ETFs, Indexfonds oder kostenarmen Assetklassen-Fonds.

Und bewahrt uns damit vor vergleichsweise schlechteren Anlagen im niedrigverzinslichen und inflationsgefährdeten Geldvermögen.

Und: Die Historische Dividendenrendite zeigt, dass in der ganz überwiegenden Mehrzahl der Fälle die Dividendenzahlung pro Aktie über die Zeit steigt. Und zwar ganz beträchtlich steigt.

 

Mit einer „falschen“ Kennzahl zur richtigen Entscheidung

Kurzum: In den Augen eines Finanzcontrollers ist die Historische Dividendenrendite barer Unsinn, da nicht entscheidungsrelevant.

In in den Augen des Verhaltensökonomen ist sie aber positiv und segensreich, da sie zu „richtigen“ – im Sinne von zweckmäßigen – Entscheidungen führt. Und dem Anleger ein gutes Gefühl gibt.

Gerade bei uns Deutschen, die wir gerne defizitorientiert denken, d.h. das Haar in der Suppe suchen, ist das ein guter Stupser in die richtige Richtung.

 

Effekt gilt auch für ganze Indizes

Einzelbeispiele veranschaulichen gut, aber beweisen natürlich wenig. Erstens könnte man unterstellen, sie seien willkürlich ausgewählt und somit nicht allgemeingültig. Zweitens könnte man eine Empfehlung zur Anlage in Einzelwerten – und hier besonders ausschüttungsstarken Aktien – herauslesen.

Beides ist nicht richtig und kann durch zwei Rechnungen widerlegt werden, welche sich auf ganze Indizes beziehen.

 

DAX

In der Dividendensaison 2019 werden aus den Ergebnissen der DAX-Unternehmen von 2018 rund 40 Milliarden Euro Dividende ausgeschüttet. Was angesichts der Börsenkapitalisierung aller DAX-Unternehmen von rund 1,2 Billionen (1.200 Milliarden) Euro eine durchschnittliche Dividendenrendite von ca. 3,3% ergibt (nach 3% des Vorjahres).

Stellt man den aktuellen Dividendenzahlungen die durchschnittliche Marktkapitalisierung aller DAX-Unternehmen von

  • 900 Milliarden vor drei Jahren und
  • 750 Milliarden vor fünf Jahren

gegenüber, so ergeben sich mit einfachem Dreisatz hochgerechnet

  • 4,4% Historische Dividendenrendite für einen dreijährigen und
  • 5,3% Historische Dividendenrendite für einen fünfjährigen

Betrachtungszeitraum.

 

S&P500

Die gleiche Demonstration für einen preiswerten Vanguard-ETF, der sich auf den amerikanischen S&P 500 bezieht: Hier habe ich die Zahlen direkt auf das Produkt gerechnet. Für Interessierte: Vanguard S&P500, ISIN E00B3XXRP09, fortlaufende Kosten 0,07%.

Die aktuelle Ausschüttungsrendite von knapp 1,9% (gerechnet auf Kurs im Mai 2019 von knapp 49 Euro) sieht nicht spektakulär aus.

Wer den ETF jedoch vor drei Jahren zu 35,27 Euro gekauft hat, freut sich über seine Historische Dividendenrendite von 2,6%. Und wer den Indextracker vor fünf Jahren zu 25,79 Euro erworben hat, sogar über 3,6%.

 

In der Ruhe liegt die Kraft

Ich habe ganz bewusst davon abgesehen, Historische Dividendenrenditen über Zeiträume von 10, 20 oder gar 30 Jahren zu berechnen. Die hohen Prozentwerte könnten leicht „betrunken“ machen. Und das möchte ich ja nicht. Aber eins ist klar: In der Ruhe liegt die Kraft.

 

Und was bedeutet das nun konkret für Sie?

  • Vorab: Dividendenrendite ist nicht alles. Und Sie sind gut beraten, wenn Sie nicht blind Einzelanlagen mit besonders hoher Dividendenrendite hinterher laufen. Da Sie sich damit wahrscheinlich besonders hohe Risiken (z. B. Unternehmen mit goldener Vergangenheit und bedrohter Zukunft) ins Depot kaufen.
  • Zur fraglichen Dividendenorientierung bei der Aktienanlage erinnern Sie sich vielleicht an meinen Blogbeitrag „Der Kuchen wird nicht größer, wenn man ihn anders schneidet“.
  • Und auch von einer Aktienauswahl anhand des Kriteriums „Maximierung der Aktienrückkäufe“ rate ich klar ab. Das lesen Sie in meinem Blogbeitrag „Billige Liquidität ist ein süßes Gift!
  • Sachlich korrekt ist die Dividendenrendite stets auf Basis des aktuellen Kurses von Aktien oder Fonds zu berechnen.
  • Die Historische Dividendenrendite berechnet sich auf den Kurs, zu dem Sie die Aktie/den Fonds einst gekauft haben (Einstiegskurs).
  • Die Historische Dividendenrendite ist zwar sachlich unsinnig. Trotzdem weist sie vielen Langfristinvestoren den richtigen Weg, indem sie die Vorteilhaftigkeit von „Kaufen und Halten“ (buy and hold) aufzeigt.
  • Je länger der betrachtete Zeitraum eines Investments in Aktien oder Aktien-ETFs zurückliegt, desto wahrscheinlicher sind hohe Historische Dividendenrenditen. Dies liegt einfach daran, dass die Dividendenzahlungen pro Aktie in der Regel über die Zeit ansteigen. Und langfristig betrachtet, ebenso die Kurse.
  • Dieser Anstieg der Dividendenzahlungen ist nicht garantiert. Und nur wenige Gesellschaften können Jahre mit Dividendensenkungen vermeiden. Solche Unternehmen werden auch als Dividendenaristokraten bezeichnet. Ich würde jedoch keinerlei Mühe mit der Suche nach Dividendenaristokraten verschwenden.
  • Sondern einfach einen oder wenige ganz brave und möglichst marktbreit investierende ETFs auf Aktien Und dann ganz konsequent halten.
  • Die erwartbaren Dividendensteigerungen liegen – natürlich mit Schwankungen – langfristig bei weitem über der Inflationsrate, d.h. Sie profitieren somit von einem realen Einkommenszuwachs.
  • Freuen Sie sich darüber. Selbst wenn Sie die Dividenden nicht konsumieren, sondern wieder anlegen.

 

Nachdem Sie Ihre eigene, ganz persönliche Historische Dividendenrendite für die ein oder andere Position in Ihrem Depot errechnet haben – freuen Sie sich noch mehr.

Und empfehlen Sie diesen Blogbeitrag weiter – damit sich andere auch freuen  😉

Herzliche Grüße
Hartmut Walz
Sei kein LeO!

 

Erschienen am 17. Mai 2019.

Der Hartmut Walz Finanzblog ist unabhängig, kosten- und werbefrei. Ich erhalte für Links und Empfehlungen keinerlei Honorar, Kick-back, Beteiligung o. ä.



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6 Kommentare zu “Gute Laune mit passivem Einkommen – Historische Dividendenrenditen machen Ihnen Freude

  1. Uli

    Hallo Herr Prof. Walz, dieser Blogbeitrag hat mich geradezu elektisiert. Ich erlebe so viele negative Fehlinterpretationen und Manipulationen. Und nun beschreiben Sie mit “Augenzwinkern” einen ganz typischen Anlegerfehler, der die Betroffenen jedoch in die für sie vorteilhafte Richtung schubst: historische Dividenden Renditen sind “eigentlich” falsch. verführen jedoch zu langfristigen Aktieninvestments. was richtig und gut ist. Danke für diese guten Gedanken. ich bin noch jung und werde viele Jahre davon profitieren 🙂

    Antworten
  2. Wolfgang Krebs

    Sehr geehrter Herr Professor Walz,
    ist es nicht so, dass man die historischen Anschaffungskosten inflationsbedingt hochrechnen müsste, um zu einer Aussage über die Rendite zu kommen.
    “Gefühlt” habe ich für eine BASF Aktie als Dividende nach Steuer pro Jahr immer nur eine Tasse Espresso bekommen; gerne rechnen Sie etwas genauer.
    Das ist eigentlich zu wenig, schließlich stellt man Risikokapital zur Verfügung. In vielen Fällen, zB. Thyssen-Krupp, RWE, Commerzbank und Deutsche Bank sieht es “historisch”, zB. bezogen auf eine Investition während der Krise 2009, extrem trübe aus: Kapital vernichtet, teilweise keine Dividende erhalten.
    Und deshalb auch mein persönlich schon geäußertes Credo: kein ETF auf Dax oder sonstige Indices, weil man die “trüben Tassen” Deutsche Bank, Commerzbank, aber auch Bayer (wegen Risiko Monsanto) und die Automobilbranche samt Zulieferer “miteinkauft”.

    Antworten
    1. Walz Artikelautor

      Lieber Herr Krebs, danke für Ihre kritische Nachfrage.

      Ihre Hinterfragung der Dividendensteigerung im Vergleich zur Inflationsrate läuft bei mir offene Türen ein. Ich habe den Aspekt der Inflationsrate nicht vertieft in den Blogbeitrag einbeziehen wollen, jedoch liegen mir zahlreiche Analysen und Statistiken vor, die aufzeigen, dass das Dividendenwachstum von Aktien im Mittel die Inflationsrate kräftig übertroffen hat. Ganz im Ernst: vielleicht ist der Espresso-Index da nicht der repräsentative Maßstab, sondern Sie sollten in Kartoffeln oder Litern Benzin umrechnen. Oder wirklich gleich den Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamtes bemühen.

      Der zweite Teil Ihrer Ausführungen bezieht sich auf das oft und intensiv diskutierte Thema “aktiv versus passiv”. Die von Ihnen zitierten Enttäuschungen und Rückschläge von Einzelunternehmen sind sowohl in der Berechnung des Indizes als auch der Dividendenrendite des Index bereits enthalten. Und diese Entwicklungen sind – ohne jegliche Mühe und Spezialkenntnisse des einzelnen Anlegers – erzielbar. Wenn Sie glauben, dass Sie die Gewinner im voraus kennen und die Verlierer meiden können, dann gilt Ihnen mein bewundernder Respekt. Ich selbst traue mir das nicht zu 😉 Und scheue die Mühe einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Vielmehr fahre ich langfristig gut damit, preiswerte Heuhaufen zu kaufen, in denen die Nadel dann ganz sicher drin ist…
      Herzliche Grüße, Hartmut Walz – Sei kei LeO!

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  3. Maria Sowitzki

    Lieber Herr Prof. Walz,
    immer wieder eine Freude für mich Ihre Analysen freitags hier zu lesen.
    Die heutige haben Sie wieder mal sehr verständlich – für mich als Laie – geschrieben und damit mein Wissen erweitert.
    Vielen Dank!
    Herzliche Grüße
    Maria Sowitzki

    Antworten
    1. Walz Artikelautor

      Liebe Frau Sowitzki, vielen Dank für den Kommentar – das zu hören, tut immer gut. Sehr gerne! 😉
      Herzliche Grüße, Hartmut Walz – Sei kei LeO!

      Antworten

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