Der mündige Selbstentscheider in der Bankfiliale – ein Dammbruch?
Execution only als Lösung
Viele Verbraucher sind mündige Selbstentscheider – auch ohne Onlinebank. Sie wollen Geld anlegen und wissen genau, welche Wertpapiere sie kaufen oder verkaufen wollen. Sie haben sich ihre Informationen selbst beschafft und brauchen eigentlich nur eines: eine saubere, zuverlässige Ausführung.
Gleichzeitig ist es diesen Verbrauchern unrecht, Wertpapiergeschäfte online abzuwickeln. Nicht jeder hat zu Hause eine technisch perfekt abgesicherte Infrastruktur, kann Sicherheitssoftware aktualisieren usw. Und so mancher hat einfach ein schlechtes Bauchgefühl beim Onlinebanking oder möchte sensible Finanzdaten nicht über das Internet laufen lassen.
Ein Dilemma?
Das klingt nach einem Dilemma: Denn wer genau weiß, was er will und dafür in die Bankfiliale oder Sparkasse geht, hat keine Lust auf ein Verkaufsgespräch unter dem Deckmantel einer „Beratung“: Die Kosten der dort empfohlenen Produkte sind oft zu hoch und das individuelle Kundeninteresse wird häufig unter dem Verkaufsdruck für bestimmte Finanzprodukte verraten.
Die Lösung
Genau hier setzt das sogenannte Execution-only-Geschäft in der Filialbank (also im analogen Vertrieb) an. Das reine Ausführungsgeschäft – im Fachjargon „Execution only“ – ermöglicht es, Wertpapierorders ausdrücklich ohne Beratung auch in der Bankfiliale oder Sparkasse vor Ort umzusetzen.
Der Kunde handelt hierbei aus eigener Initiative, bringt alle Informationen selbst mit und trifft seine Anlageentscheidung eigenverantwortlich. Die Bank oder Sparkasse führt den Auftrag lediglich aus. Sie ist nur die neutrale Schnittstelle und übernimmt keinerlei Anlageberatung oder Produktempfehlung.
In diesem Beitrag ordne ich das Execution-only-Geschäft in der Bankfiliale oder Sparkasse vor Ort für Sie ein und gebe Ihnen ein paar Tipps, worauf Sie bei diesem beratungsfreien Ausführungsgeschäft achten sollten.
Execution only – eine Einordnung
Viele setzen fälschlicherweise einerseits Onlinebanken und Onlinebroker mit beratungsfreien Transaktionen gleich – und andererseits den Filialbankenvertrieb mit Beratungstransaktionen.
Dieses zu einfache Verständnis lässt sich wie folgt visualisieren:
Richtig ist hingegen:
Bei der Onlinebank bzw. dem Onlinebroker erfolgt zwar überwiegend, aber nicht immer ein reines Ausführungsgeschäft (beratungsfreie Transaktion = Execution only)[1]. Die Bank bzw. der Broker hat hier lediglich die Rolle eines Ausführungsdienstleisters. Das ist vergleichsweise kostengünstig und für digitalaffine, mündige Selbstentscheider passend.
In der Filialbank oder Sparkasse vor Ort gibt es die Ausführung/Transaktion (noch) ganz überwiegend nur nach einer vorausgegangenen Verkaufsberatung. Das ist vergleichsweise teuer und für mündige Selbstentscheider gerade nicht passend.
Immer mehr Ausnahmen von dieser simplen Gleichsetzung (online = ohne Beratung, Filiale = mit Beratung) zeigen jedoch, dass Wertpapiertransaktionen von Privatkunden nicht unter einem, sondern zwei Aspekten differenziert werden sollten. Und dass Kunden, die ihre Bankgeschäfte nicht online abwickeln wollen, trotzdem Selbstentscheider sein wollen und können. Die nachfolgende 4-Felder-Matrix gibt Ihnen einen Überblick.
Offline-Kunden können auch beratungsfrei ordern! |
Einordnung von “Execution only” im Filialgeschäft der Banken[2]
Execution only in der Filiale wird immer mehr nachgefragt
Damit setzt die durch die Digitalisierung des Finanzmarkts zunehmende Verbreitung von Execution-only-Transaktionen auch die Filialbanken und Sparkassen immer weiter unter Druck (gelbes Feld). Die Vorteile des reinen Ausführungsgeschäft ohne Beratung – bei Onlinebrokern längst Standard – wollen auch immer mehr analoge Bankkunden für sich nutzen, um ihr Wissen über kostengünstigere und effizientere Produkte gezielt bei ihren Anlageentscheidungen einzusetzen.
Dabei geht es den Kunden nicht nur um die niedrigeren Transaktionskosten dieses Modells. Sie wollen vor allem den interessengeleiteten Verkaufsdruck in persönlichen Verkaufsgesprächen mit Vertriebsmitarbeitern der Banken und Sparkassen vermeiden. Diese stehen nämlich selbst regelmäßig unter starkem Druck, die Produktempfehlungen unter dem Primat der Provisionsmaximierung für ihr Institut auszusprechen. Nahezu alle stöhnen hinter vorgehaltener Hand über die Vorgaben ihres „Vertriebscontrolling“ und den Zwang entsprechend der vorgegebenen Hausmeinung zu „beraten“.
Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch die nicht so online-affinen Kunden, die klassischen Filialbanken nutzen und immer mehr reine Ausführungsgeschäfte nachfragen.
Filialbanken in der Zwickmühle
Damit stehen Filialbanken in einem Dilemma: Sollen sie das Execution-only-Geschäft konsequent ablehnen, um an den analogen Kunden weiterhin erheblich höhere Margen zu verdienen? Dies hat den Nachteil, dass sich künftig immer mehr aufgeklärte Selbstentscheider von ihrer Filialbank trennen oder zumindest für die Bank lukrative Wertpapiergeschäfte abziehen[3].
Oder sollen sie – zumindest bei explizitem Kundenwunsch – parallel zum bisherigen Geschäftsmodell das reine Ausführungsgeschäft ermöglichen? Damit sinkt zwar die Rentabilität dieser Kundengruppe für die Filialbank stark. Aber eine kleinere Rendite mit den Execution-only-Kunden könnte noch immer besser sein als gar kein Geschäft. Jedenfalls könnten Filialbanken und Sparkassen es vermeiden, dass mündige Selbstentscheider abwandern oder ihre Wertpapiergeschäfte verlagern.
Dammbruch bereits im Gange?
Natürlich haben viele Filialbanken und Sparkassen kein Interesse daran, dass viele Kunden zu mündigen Selbstentscheidern werden und auf Execution only umstellen. Daher ist das reine Ausführungsgeschäft in vielen Instituten (noch) ein Randangebot, das nicht beworben, sondern eher still im Hintergrund gehalten wird[4].
Jedoch zeigt eine explorative Recherche, dass bereits heute etliche Filialbanken und Sparkassen Konditionenmodelle für das reine Ausführungsgeschäft besitzen. Und sie diese Möglichkeit – zumindest bei hartnäckigem Nachfragen von Kunden oder deren Drohung, die Bankverbindung zu wechseln – zähneknirschend anbieten.
Die Anzahl der Institute, die Execution only völlig ablehnen, geht aktuell also stark zurück, der Damm scheint Risse zu bekommen oder an einigen Stellen bereits gebrochen zu sein. Gleichzeitig werden die Vertriebsmitarbeiter von Filialbanken und Sparkassen intensiv geschult, um mit starken Narrativen die Kunden vom Wechsel ins reine Abwicklungsgeschäft abzuhalten.
Ausgewählte Berichte von Bloglesern über erlebte Abwehrversuche von Execution only in ihrer Filiale
Unser Haus vertritt die Meinung, dass beratungsfreier Wertpapierverkauf nicht dem Wohle unserer Kunden dient, da wir nicht ausschließen können, dass schlecht oder falsch informierte Kunden dann sehr unvorteilhafte und risikoreiche Transaktionen abschließen.
Wir bieten unseren Kunden grundsätzlich keine ETFs an. Denn hierbei handelt es sich um sehr unvorteilhafte Extrem Teure Fonds.
Zu Ihrem eigenen Schutz bieten wir Ihnen Wertpapiergeschäfte nur nach persönlicher Beratung an. Reine Ausführungsgeschäfte lehnen wir ab. Nutze Sie unsere Expertise. Sie mieten beim Zahnarzt doch auch nicht dessen Instrumente um sich einen Zahn zu ziehen.
Zum Wohle unserer Kunden raten wir ausschließlich zu aktiven Investmentfonds, die unsere sachverständigen Fachkollegen für Sie betreuen. Nur so können wir sicherstellen, dass sich immer jemand um Ihr Geld kümmert. Und wenn ein Fonds einmal nicht so gut läuft, werden wir Sie kontaktieren und in einen besseren umschichten.
Die Bedürfnisse unserer Kunden sind so individuell wie ihr Fingerabdruck. Daher stellen unsere gut ausgebildeten Berater aus einer großen Produktpalette stets das für Sie persönlich beste Portfolio zusammen. Geld in ETFs ist hingegen dummes Geld!
Auch analoge Kunden wollen keine interessengeleitete Verkaufsberatung
Genau dieser Interessenkonflikt zwischen analogen Vertriebsmitarbeitern und deren Kunden kann durch Execution only in der Filialbank umgangen werden.
Mit reinen Ausführungsgeschäften lassen sich hohe laufende Produktkosten wie TER und Ongoing Charges, die attraktive Kick-backs an den Vertrieb ermöglichen, vermeiden, obwohl die Kunden selbst keine digitalen Prozesse abwickeln.
Mündige Selbstentscheider, die keine Online-Transaktionen nutzen können oder wollen, begegnen dem FPV[5]-Vertriebsmitarbeiter in der Filiale auf Augenhöhe, übermitteln ihm analog ihre Transaktionswünsche (Order) und genießen den Ausführungsservice durch diesen Dritten, den sie hierfür – und nur hierfür – vergüten. Die im analogen Vertrieb ansonsten üblichen hohen laufenden Folgekosten (TER, Ongoing Charges), lassen sich damit vermeiden.
Execution only – das ist typisch
- Anlageentscheidung liegt allein beim Kunden: Der Kunde ist vorinformiert, entscheidet selbst bzw. hat sich vor dem Kontakt mit der Bank/Sparkasse bereits entschieden. Er beauftragt lediglich die konkrete Transaktion / Transaktionen.
- Verzicht auf bankseitige Empfehlungen: Die Bank/Sparkasse macht dem Kunden keine individuellen Investitionsvorschläge. Damit sind die Spielräume für die oben gezeigten Interessenkonflikte weitgehend ausgeschlossen.
- Im Regelfall erfolgt keine Angemessenheitsprüfung: Vom eher seltenen Fall komplexer Finanzprodukte abgesehen, ist die Bank/Sparkasse nicht verpflichtet, zu prüfen, ob der Kunde die Risiken verstehen kann. Der Regelfall bezieht sich also auf Transaktionen von z.B. Aktien, üblichen Investmentfonds, börsengehandelten Fonds (ETFs).
- Es bleibt trotzdem eine – allerdings stark eingeschränkte – Warnpflicht der Bank/Sparkasse bestehen: Falls das Institut feststellt, dass der Kunde die Risiken offensichtlich nicht einschätzen kann, muss es ihn vor der Ausführung der Transaktion warnen[6].
| Execution only – ein praktisches Beispiel aus der Filiale: Eine Kundin kommt in die Bankfiliale und bittet um Ausführung einer Kauforder von rund 25.000 Euro für einen aktuell stark gehypten KI-ETF, von dem sie im Internet gelesen hat. Der Bankmitarbeiter fragt kurz nach den Erfahrungen der Kundin. Jedoch selbst wenn die Kundin keine Kenntnisse hat und der Bankmitarbeiter vor der Transaktion warnt, kann die Kundin auf die Ausführung bestehen. Die gewünschte Transaktion wird also ausgeführt. Der Bankmitarbeiter dokumentiert lediglich seinen Warnhinweis. |
Wie teuer ist Execution only in der Filiale?
Bei den reinen Ausführungsgeschäften muss die Filialbank oder Sparkasse vor Ort meist Produkte ins Kundendepot legen, die keine Vertriebsrückvergütungen (Kick-Backs) und auch keine Bestandspflegevergütungen (also Weiterleitung von laufenden Kosten der Fondsgesellschaften) ermöglichen.
Daher wird sie für Ausführungsgeschäfte zusätzliche Kosten berechnen. Nach den von unseren Abonnenten erhaltenen (natürlich rein zufälligen und nicht repräsentativen Einzelinformationen) können diese Kosten recht unterschiedlich sein: Von sehr preiswert bis so teuer, dass das Filialinstitut wohl eine Kundenabschreckung beabsichtigt.
Die nachstehende Übersicht bezieht sich daher bewusst nicht auf Extremfälle, sondern stellt günstige und teure Angebote den durchschnittlichen Kosten von Onlinebrokern[7] gegenüber.
Es gibt auch Rückmeldungen von Bloglesern, deren Depotgebühren sich bei der Umstellung auf Execution only erhöhten. Oder es wird bei einem gemischten Depot nur für die durch Execution only eingebuchten Positionen (meist sind dies Indextracker-ETFs) eine erhöhte Postengebühr berechnet. Solche Kosten-Extras sind in der obigen Tabelle noch nicht enthalten. Was mich zum nachstehenden Aufruf an unsere Blogleser bringt…
🔦Gesucht: Ihre Erfahrungen mit Execution only in der Filiale🔦
Was auf dem Papier klar klingt, läuft in der Praxis sehr unterschiedlich ab. Genau dazu möchte ich für meine Blogleser gern mehr erfahren – aus erster Hand.
Ich sammle Erfahrungsberichte von jenen, die „Execution only“ in einer Bank- oder Sparkassenfiliale bereits für sich durchgesetzt haben. Ebenso auch gerne die Erfahrungen aus Sicht von Bankmitarbeitern (anonymisiert).
Besonders interessant: Wurde „Beratung“ angeboten/aufgedrängt oder tatsächlich wunschgemäß unterlassen? Waren umfangreiche Formalia notwendig oder war die Umstellung auf reine Ausführungsgeschäfte unkompliziert? Gab es Probleme im Nachgang? Hat sich Ihre Depotgebühr in diesem Zusammenhang erhöht? Wenn ja – wie stark?
So können Sie mitmachen, gern auch anonym:
Möglichkeit 1: Sie schreiben einen Kommentar unter diesen Beitrag, dieser ist öffentlich.
Möglichkeit 2: Sie schreiben mir ein E-Mail an: Execution-only@hartmutwalz.de, deren Inhalt wird nicht veröffentlicht.
Mir geht es um ein realistisches Bild der Filialpraxis sowie einen Erfahrungsaustausch für uns alle. Sie wissen ja: Die Kluft zwischen öffentlicher Selbstdarstellung und gelebter Praxis in den Filialen.
Vielen Dank fürs Teilen Ihrer Erfahrungen!
🎁Unter denjenigen, die mitmachen, verlose ich 3 Bücher „Beraten statt verraten“![8]
Einsendeschluss ist Freitag, der 12. Dezember 2026.
Viel Glück!🎁
Und was bedeutet das nun konkret für Sie?
- Wertpapiertransaktionen bei Filialbanken und Sparkassen vor Ort müssen nicht zwangsläufig an vorausgehende Verkaufsberatung gekoppelt sein: Umgekehrt sind Transaktionen bei Onlinebanken und Onlinebrokern nicht in jedem Fall beratungsfrei.
- Face-to-Face-Vertrieb von Finanzprodukten ist zwangsläufig kostenintensiver als der über Online-Kanäle (allein schon wegen der vermeidbaren Personalkosten bei digitalen Vertriebswegen).
- Es gibt zwar Bankkunden, die den persönlichen Kontakt mit Bankmitarbeitern schätzen, jedoch verwechseln sie dabei häufig echte Finanzberatung im Kundeninteresse mit dem Vertrieb von Finanzprodukten im Interesse der Anbieter (z.B. Banken, Sparkassen, Versicherern, Bausparkassen).
- Unter den Verbrauchern, die Onlinebanking/Brokerage ablehnen, gibt es einen wachsenden Anteil, der sich außerhalb von Vertriebsgesprächen informiert und mit klaren Produktvorstellungen zur Filialbank oder Sparkasse vor Ort kommt. Dieser Kundenkreis benötigt eine beratungsfreie Ausführung seiner Transaktionswünsche in der Bank- oder Sparkassenfiliale.
- Während Filialinstitute reine Ausführungsgeschäfte lange ablehnten, geben mittlerweile immer mehr ihren Widerstand auf. Aktive Werbung für Execution only im analogen Vertrieb ist nicht erkennbar, aber zumindest auf Nachfrage können auch Filialkunden in immer mehr Instituten Transaktionen beratungsfrei durchführen. Der Damm scheint gebrochen.
- Während die Kosten der „Vertriebsberatung“ in verschiedenen Positionen im Produkt verpackt und letztlich in vollem Ausmaß nur schwer erkennbar sind, erweisen sich die Kosten im reinen Ausführungsgeschäft als vergleichsweise transparenter. Neben den expliziten Kosten für eine Transaktion sind jedoch möglicherweise erhöhte Kosten für Ausführungsdepots oder erhöhte Postengebühren für die beratungsfrei erworbenen Produkte (häufig kostengünstige Index-ETFs) zu beachten.
- Beratungsfreie Ausführung bringt die Gefahr mit sich, dass die Kunden kaufrelevante Informationen von Finfluencern aller Arten (auch Crashpropheten, Krypto-Jünger und Finanzpornografen) erhalten, die – ganz wie der Banken- und Sparkassenvertrieb – ihr Eigeninteresse verfolgen und damit Kunden schädigen können. Somit besteht bei Execution-only–Transaktionen die Gefahr, dass Kunden vom Regen in die Traufe kommen.
- Eine strikte Regulierung und die Einführung einer Haftung von Finfluencern für Falschinformationen oder einseitige Informationen ist daher aus Verbrauchersicht unerlässlich (siehe Videogespräch mit Dr. Gerd Kommer).
- Da derzeit die Finfluencer noch weitgehend unreguliert agieren können, sollten mündige Selbstentscheider ihnen mit großer Vorsicht begegnen und sich besser auf fundierten Rat von wenigen wirklich vertrauenswürdigen Stellen beschränken. Hier sind insbesondere die BaFin, die Verbraucherzentralen, Stiftung Warentest Finanzen, der Bund der Versicherten e.V. und die Bürgerbewegung Finanzwende e.V. zu empfehlen.
Viel Glück und herzliche Grüße,
Hartmut Walz
Sei kein LeO!
[1] Es gibt auch Onlinebroker, die auf Wunsch Beratung anbieten. Auch das Angebot Robo–Advisor lässt die klare Trennline verschwimmen.
[2] Natürlich kann man bei vielen Onlinebrokern auch anrufen oder chatten und bei der Filialbank/Sparkasse auch telefonieren, ein E-Mail schreiben oder ein Formular ausfüllen… Die Übergänge sind fließend.
[3] Die Verlagerung von Teilen der Geschäftsbeziehung müsste keineswegs zu einer Onlinebank hin erfolgen, sondern könnte auch zu einer anderen Filialbank gehen, die das reine Ausführungsgeschäft anbietet.
[4] Manche Institute legen Kunden, die nach reinen Ausführungsgeschäften fragen, nahe, ein zusätzliches Konto und Depot bei einer Online-Schwester der gleichen Institutsgruppe zu eröffnen. Damit bleibt die Kundenbeziehung insgesamt erhalten und das Geld zumindest in der „Familie“.
[5] FPV = Finanzprodukteverkäufer
[6] Auf die rechtlichen Details wird in diesem Beitrag nicht eingegangen. Wenn ich starkes Interesse der Leserschaft signalisiert bekomme, werde ich die juristischen Aspekte in einem weiteren Beitrag ansprechen.
[7] Auch bei den Onlinebrokern gibt es natürlich erhebliche Kostenunterschiede. Nach dem Motto „komplizierter ginge es immer“, habe ich aber einen Onlinebroker-Vergleich an dieser Stelle vermieden und lediglich einen Durchschnittswert gewählt. Neobroker mit oft stark eingeschränktem Service, beschränkter Produktauswahl und weiteren Nachteilen wurden nicht einbezogen.
[8] Disclaimer zur Buchverlosung: Die Verlosung erfolgt unentgeltlich und ohne Gewähr. Unter den Einsendern werden 3 Bücher verlost; der Rechtsweg ist ausgeschlossen, eine Barauszahlung ist nicht möglich. Die Gewinner benachrichtige ich per E‑Mail; melden sie sich nicht innerhalb von 7 Tagen zurück, fällt der Gewinn an den nächsten Ausgelosten. Die im Rahmen der Verlosung erhobenen Daten werden ausschließlich zur Durchführung der Aktion verwendet und anschließend gelöscht.
Erschienen am 28. November 2025.
Der Hartmut Walz Finanzblog ist unabhängig, kosten- und werbefrei. Ich erhalte für Links und Empfehlungen keinerlei Honorar, Kick-back, Beteiligung o. ä.






Sehr geehrter Herr Prof. Walz,
wir sind bei der Santander Consumer Bank, also einer klassischen Filialbank, und verfügen faktisch über ein Execution-Only-Konto. Unser Portfolio besteht ausschließlich aus ETFs und einem günstigen Geldmarktfonds, und bereits während des Kontoeröffnungsprozesses haben wir deutlich kommuniziert, dass wir selbst entscheiden möchten – was problemlos akzeptiert wurde.
Positiv hervorzuheben ist, dass die Preise auf dem Niveau von Online-Banken liegen, teilweise sogar darunter. Das Depot ist kostenfrei, ein ETF-Sparplan kostet 0,89 € pro Ausführung, und ein Einmalkauf oder -verkauf nur 0,2 % (maximal 29,90 €). Das Girokonto ist nicht nur kostenlos, sondern es gibt sogar eine monatliche Prämie, wenn Gehaltseingang und Depot vorhanden sind. So ist das gesamte Paket für uns Buy-and-hold-Anleger praktisch kostenfrei. Selbst wenn wir in der Entnahmephase 1-2 Mal im Jahr Aktien-ETF verkaufen und in den Geldmarkt oder aufs Girokonto geben, kostet es uns inklusive Prämien nichts.
Zusätzlich werden gutverdienende Kunden – wie Professoren 😉 – zu sogenannten Select-Kunden. Diese genießen unter anderem einen direkten Draht zum Filialleiter sowie eine kostenlose Premium-Kreditkarte mit weltweit kostenfreien und unbegrenzten Bargeldabhebungen, Versicherungen, Garantieverlängerung usw. Den direkten Draht zum Filialleiter haben wir bisher nur einmal benötigt, was deutlich angenehmer war, als mit Neobrokern zu chatten oder endlos in der Warteschleife zu hängen. Insgesamt sind wir sehr zufrieden, und es ist ein gutes Gefühl, Kunde einer der größten Banken der Welt zu sein (hört sich ein bisschen wie Werbung an – wir sind wirklich nur Kunden dort).
Natürlich ist uns bewusst, dass die Santander solche Konditionen nicht aus reiner Kundenfreundlichkeit anbietet, sondern darauf hofft, ihre vermögensverwaltenden Fonds mit einer TER deutlich über 1 % oder Schlimmeres zu verkaufen. Die Filiale hat uns jedoch nie aktiv kontaktiert oder Verkaufsversuche unternommen. Einmal erhielten wir einen Anruf aus der Zentrale in Mönchengladbach, um uns einen teueren Rentenfonds anzubieten – vermutlich, weil kurzfristig ein sechsstelliger Betrag auf unserem Tagesgeldkonto einging. Dies lag jedoch daran, dass wir vergessen hatten, Werbeanrufe zu unterbinden. Nachdem wir dies per E-Mail erledigt hatten, kam in den folgenden Jahren kein weiterer Anruf mehr.
Für uns funktioniert die Santander inzwischen wie eine Direktbank, mit der zusätzlichen Möglichkeit, Filialbesuche zu nutzen. Alle Orders erledigen wir online; telefonisch oder persönlich sind sie ebenfalls möglich, dann allerdings zu 0,4 % (maximal 99,90 €). Besonders praktisch ist zudem, dass man mit dem Depot klassische Geldmarktfonds (keine ETFs) ohne Spread und Gebühren kaufen und verkaufen kann. Der DWS ESG Euro Money Market Fund (TER 0,11 %) dient uns als Tagesgeldersatz, auch wenn die Buchung 1–2 Tage dauert. Nur für kleinere Beträge. Als Sicherheitsbaustein kaufen wir alle 2 Jahre eine Bundesanleihe mit einer Restlaufzeit von 2 Jahren. Kostet dann 29,90 Euro und keine TER.
In naher Zukunft soll die Santander mit der Online-Tochter Openbank verschmelzen und unter einem neuen Namen operieren. Wie sich das auf die Konditionen und den Service auswirken wird, bleibt abzuwarten. Vielleicht entwickelt sich die Bank in Richtung einer reinen Online-Bank, ähnlich wie ING oder DKB.
Ich kann nur jedem raten, sich bei der Frage „Welche Bank oder welcher Broker?“ nicht ausschließlich auf die absolut günstigsten Anbieter zu konzentrieren. Es muss ja nicht zwangsläufig die Santander sein. Auch die Merkur Privatbank bietet beispielsweise ein preislich attraktives Depotangebot für Selbstentscheider. Zwar gibt es dort nur in einigen Großstädten Filialen, aber der Service – auch telefonisch – ist deutlich besser als z.B. bei Neobrokern und -baken, so zumindest die Erfahrung einiger Bekannter. Einziger kleiner Nachteil: Das Girokonto ist etwas teurer.
Bei Fragen, gerne melden.
Schöne Grüße
Lieber Thomas, vielen Dank für Ihren konkreten Erfahrungsbericht, den ich ohne Detailprüfungen freischalte, da Sie uns hier ja lediglich Ihre persönlichen Erlebnisse und Einschätzungen mitteilen. Wirklich interessant! Gerne kommt Ihr Los in den Topf 😉
Herzliche Grüße, Hartmut Walz – Sei kein LeO!
Vielen Dank, Herr Prof. Walz.
Die Konditionen der Bank sind übrigens transparent auf der Webseite dargestellt. Dort wird auch ausdrücklich erwähnt, dass das Depot auch für Selbstentscheider geeignet ist und dass ETF-Sparpläne angeboten werden. Die Depoteröffnung erfolgte bei uns anschließend in der Filiale.
Um ehrlich zu sein, verstehe ich diese Preispolitik selbst nicht vollständig. Immerhin handelt es sich um eine Filialbank, deren Preise offensichtlich sogar unter denen von ING, DKB oder comdirect liegen. Ich habe keine Ahnung, wie das wirtschaftlich funktionieren soll, da wir hier ja von ganz anderen Kostenstrukturen ausgehen.
Entweder setzt man darauf, dass die meisten echten Selbstentscheider gar nicht erst kommen und stattdessen zu einer klassischen Direktbank oder einem Neobroker wechseln – während man den Großteil der Neukunden, die tatsächlich in der Filiale erscheinen, mit zusätzlichen Produkten ,,beraten“ kann. Oder aber es findet gerade tatsächlich ein umfassender Umbau in Richtung „Digital“ statt. Schließlich ist der Chef von Santander Deutschland zugleich auch der Leiter der Tochter Openbank, einer Direktbank.
Ich konnte mir zunächst schwer vorstellen, dass ein Filialleiter einer Bank große Begeisterung verspürt, wenn ein Selbstentscheider wie ich persönlich ein Depot eröffnet, bestehende ETFs überträgt und dann einen Sparplan für 89 Cent im Monat einrichtet.
Bei unserer Depoteröffnung war er dann allerdings sehr freundlich. Wir bekamen einen Kaffee und führten ein angenehmes Gespräch. Er betonte, dass es völlig in Ordnung sei, wenn wir uns selbst um die ETFs kümmern und er hat nicht einmal versucht aktives Management als überlegen darzustellen. Als ich ihn fragte, ob es ihn nicht störe, dass er mit uns praktisch nichts verdient, meinte er nur, das sei schon in Ordnung – er hoffe lediglich, dass wir die Bank weiterempfehlen würden. Es kann natürlich auch damit zusammenhängen, dass Santander ihren Schwerpunkt im Bereich Konsumentenkredite und Autofinanzierungen hat und die Vermögensverwaltung eher eine untergeordnete Rolle spielt. Aber das sind nur Vermutungen. Mal sehen, wie sich das weiterentwickelt.
Schöne Grüße
Meine Bank und der unter dem Tarnnamen „Berater“ agierende Vertriebsmitarbeiter, hat die Ausführung der ETF Order abgelehnt. Exakt mit den Ausreden die oben stehen. Hier eine Auswahl aus meiner Bank:
1. Wir bieten nur Beratungsgeschäft zum Wohl des Kunden an,
2. wir verkaufen nur aktive Fonds – nach Beratung – um die Verluste in kritischen Zeiten für Sie zu vermeiden,
3. lassen Sie uns Ihr Depot umschichten wenn Sie unzufrieden sind.
Das Verkaufen der aktiven Fonds per Telefon (also Execution-Only) war kein Problem aber beim Kaufen gab es Einspruch. Als ich das erste Mal ETF erwähnt hatte, kam die Aussage: „Gegen einen kleinen Teil MSCI-World spricht nichts aber das müssen Sie selbst im Online-Banking ordern“. Dass das die Bank nicht komplett abgelehnt hat ist klar, denn das Depot kostete 1% des Depotwertes pro Jahr. Also immer noch Geschäft für die Bank … wahrscheinlich der Versuch mich im größeren Teil bei den aktiven Fonds zu halten. Ordergebühr in meinem Fall stets 1% der Order. Komplettes ETF-Depot (mein Depot war vom Typ „Depot mit Beratung“) wurde abgelehnt weil kein beratungsfreies Geschäft angeboten wurde. O-Ton: „Dafür können Sie sich ja eines unserer Online-Depots einrichten und selbst handeln.“. Letzteres habe ich gemacht und eigenständig alle aktiven Fonds verkauft und auf ETFs umgeschichtet. Im Gespräch danach blieb der Vertriebsmitarbeiter stur und sagte, dass Execution-Only nicht – zum Wohle des Kunden – eingesetzt wird. Diese Situation hat vor 8 Monaten stattgefunden.
Zusammenfassend:
1. Ich habe jetzt ein kostenloses Online-Depot und spare 1% Depotgebühr
2. Ich ordere selbst und zahle 0,25% (mit Maximalgebühr) anstatt 1% Ordergebühr
3. Ich halte nur noch breit gestreute ETFs und spare ca. 1,8% Fondsgebühr pro Jahr
Wenn ich das so lese, ist vollkommen klar, warum meine Bank Execution-Only ablehnt oder versucht durch subtile Einschüchterung die Kunden davon abzuhalten. Jeder der selbst ordert, ist eigener Herr/Frau seiner Finanzen und damit weg von den Vertriebsprodukten der Bank.
Wenn ich das nicht alles selbst erlebt hätte, würde ich das Alles mit großem Schmunzeln lesen.
Grüße … ArnoN
Lieber Arno, herzlichen Dank für Ihre sachliche Beschreibung Ihrer Erfahrungen mit konkreten Zahlen und Details.
Sie sind somit einer der Kunden, die letztlich mangels eines fairen Execution-only-Angebots vom Filalbank-Kunden zum Onlinebank-Kunden geworden sind.
Dass Sie den Namen der Bank oder Sparkasse nicht erwähnt haben, ist bei der Präzision Ihrer sonstigen Angaben wohl Ihre bewußte Entscheidung, die ich natürlich respektiere 😉 Vielleicht können Sie mir ja trotzdem den Namen des Institutes über die im Beitrag angegebene Mailadresse schreiben – ich werde ihn nicht veröffentlichen.
Bei der Buchverlosung sind Sie auf alle Fälle mit dabei 😉
Herzliche Grüße, Hartmut Walz – Sei kein LeO!
Finanzinfluencer können als unterhaltsam oder als monoton wahrgenommen werden, je nach Tagesverfassung, wobei die Themenvielfalt überschaubar begrenzt ist, mit wenigen rühmlichen Ausnahmen. Die Welt besteht nur noch aus Nvdia und Palantir oder ersatzweise Alphabet. Es ist nicht zwingend erforderlich, sich mit ihren Inhalten auseinanderzusetzen. Die Bankenbranche betreibt eher ein Verwirrspiel und verkauft mit Vorliebe nur eigene Konstrukte, sie verpasst nach meiner Einschätzung neue aktive Kunden zu gewinnen. Vor 30 Jahren hat sich der „Schalterbeamte“ tatsächlich geweigert, meinem Bruder Apple-Aktien zu verkaufen. Ich habe meine letzte Bankfiliale vor 10 bis 15 Jahren besucht, und die Beratung war unzureichend und wirkt bis heute negativ nach. Meine Familie vertraut Bankern teilweise mehr als mir, daher unterlasse ich Diskussionen zu diesem Thema. Sie können ihre finanziellen Entscheidungen selbst treffen. Vermögensverwalter sind in dieser Hinsicht noch unverblümter und erklären ohne Umschweife, dass Kunden mit einem Vermögen von wenigen Millionen Euro keinen besonderen Service erwarten sollten, während sie Renditen erzielen, die knapp über der Inflationsrate liegen und gleichzeitig Dankbarkeit für den Kapitalerhalt erwarten. Am Markt stehen zig Instrumente zur Verfügung, die allesamt besser sind und die jeder für wenig Geld erfolgreich für sich nutzen kann.
Passt zwar nicht ganz – aber ich habe einmal vor einigen Jahren die Festgeldzinsen für Neugeld bei der Sparkasse von 2,2% auf 3,0% hochgehandelt. Der Berater musste sich aber die Genehmigung vom Filialleiter einholen.
Exekutiv only – praktisches Beispiel:
Aua!
…Der Kunde kann nicht auf die Ausführung bestehen, sondern auf der Ausführung…
Rettet dem Dativ.
Danke
Liebe/r Alexis, hmm… sehe ich nicht so:
„auf die Ausführung bestehen“ = die Durchführung an sich einfordern (das ist hier gemeint)
„auf der Ausführung bestehen“ = auf einer bestimmten Art der Durchführung beharren
Wie auch immer – und der Rest des Beitrags so? Nützlich? ☺️
Herzliche Grüße, Hartmut Walz – Sei kein LeO!