GASTBEITRAG NICOLE KOPP, HONORARANLAGEBERATERIN
Müssen Frauen besonders auf ihre Altersvorsorge achten?

Das Zusammenspiel von Familie, dem eigenen Beruf und der Notwendigkeit von finanzieller Absicherung im Alter bringt viele Frauen an ihre Grenzen.  Was müssen gerade Frauen beachten, um im Alter ausreichend abgesichert zu sein?

Welche besonderen Schwierigkeiten gibt es zu überwinden und wie können Frauen eine klare und auf ihre persönliche Situation maßgeschneiderte Finanzstrategie entwickeln, um für sich selbst eine geeignete Vorsorge aufzubauen?

Meine Antwort lautet: Eigeninitiative entwickeln, die eigene Situation und Gestaltungsmöglichkeiten erkennen. Und dann handeln! Das Interesse an den eigenen finanziellen Verhältnissen und der Antrieb zur Optimierung der eigenen Finanzen sind hier unerlässlich.

Augen auf! Möglichkeiten erkennen! Handeln! Glücksmomente sammeln!

Die existenziellen Risiken:

Bevor der Sparbeitrag in die Altersvorsorge investiert wird, sollten natürlich auch Frauen erst einmal einen prüfenden Blick in die Absicherung existenzieller Risiken wie Privathaftpflicht, Berufsunfähigkeit und ggfs. Hinterbliebenenabsicherung werfen. Ist hier Handlungsbedarf, sollte man sich diesen Risiken und deren notwendigen Absicherungen zuerst widmen.

Die Schuldentilgung:

Einer der wichtigsten Faktoren, um langfristig finanziell erfolgreich zu sein, ist selbstverständlich die vorrangige Schuldentilgung von bestehenden Verbindlichkeiten und das ist kein Phänomen das ausschließlich Frauen betrifft, sondern eine Grundregel der finanziellen Freiheit, die wir alle beherrschen dürfen. Grundsätzlich ist die Kredittilgung (z.B. Bafög-Immobilien-Raten- oder Dispokredite) die Basis finanzieller Freiheit.

Die Rücklagenbildung:

Frauen dürfen auch gerne ein eigenes Tagesgeldkonto besitzen, um sich eine eigene Liquiditätsreserve aufzubauen. Hat man noch keine “Notgroschen” gesammelt, darf der monatliche Sparbeitrag auch gerne erst einmal hierfür verwendet werden.

Glücksmoment  🙂

Durch die bewusste Auseinandersetzung mit diesen Themen werden viele Dinge klarer. Die bereits bestehenden finanziellen Strukturen werden gesichtet und erfasst. Das Thema Finanzen erscheint plötzlich weniger belastend als es zuvor den Anschein machte. Die wichtigen finanziellen Themen wurden kommuniziert und nicht mehr auf “Morgen” verschoben. Ein echter Glücksmoment. Es kann nun über die Altersvorsorge nachgedacht werden! Die ganz persönliche Vorsorgestrategie darf starten.

Das Sparpotential:

Viele Frauen wissen nicht, dass Sie tatsächlich Sparpotential besitzen. Denn die gängige Einstellung ist, dass man zu wenig im Monat zur Seite legen könnte, um eine effektive Versorgung im Alter zu erreichen. Das ist nicht ganz richtig. Denn es gilt hier, die richtigen Produkte zu finden und die Faustformel: Je früher man anfängt, umso besser. Viele Anlageprodukte sind oft teuer oder zu unflexibel.

Gerade für Frauen ist es wichtig, flexible Produkte zu besparen. Warum? Viele Frauen haben durch die Familienplanung einen längeren Ausstieg aus dem Beruf und auch bei der Rückkehr in den Beruf wählen viele Frauen oftmals den Wiedereinstieg in einem Teilzeitmodell, um sich den Kindern zu widmen. Die eigenständige Vorsorge für das Alter wird oft vernachlässigt und viele Frauen verlassen sich auf die Absicherung durch den Partner. Die eigene finanzielle Versorgung im Alter kann hierdurch gefährdet sein.

Die Notwendigkeit zur eigenen privaten Vorsorge mit flexiblen Produkten gilt es zu erkennen. Viele sorgen für das Alter jedoch auch falsch vor, die Anlageprodukte sind oftmals zu teuer, zu unflexibel oder zu wenig rentabel. Oft werden viel zu hohe Beiträge als Einstieg gewählt und es kann dann bei unflexiblen Sparprodukten zum vorzeitigen Vertragsabbruch kommen, weil die monatlichen Sparbeiträge nicht mehr aufgebracht werden können. Das ist dann ein frustrierendes Sparerlebnis. Widmen wir uns daher lieber dem Glücksmoment.

Glücksmoment  🙂

Der Glücksmoment besteht darin, sich im ersten Schritt ganz autark über seinen monatlichen Sparbeitrag mit sich selbst einig zu werden. Als grobe Orientierung gilt: Angestellte Frauen sollten ca. mind. 10, besser 20 Prozent ihres Nettolohns, Selbständige mind. 20 Prozent ihres Bruttolohns auf die Seite sparen. Das ist aber wirklich nur ein grober Richtwert. Wer wirklich gezielt sparen möchte, der muss für sich festlegen, welches Einkommen er im Alter nach Steuern und Krankenversicherung zur Verfügung haben will. Die Erstellung einer Einnahmen-Ausgaben-Bilanz ist hier sinnvoll.

Ist dieser Schritt geschafft, hat man schon den ersten Glücksmoment. Die erste Hürde ist überwunden, denn der Sparbeitrag steht nun fest und wird ab sofort für die eigene persönliche Versorgung im Alter investiert. Das Gefühl, (endlich) diese Entscheidung getroffen zu haben, tut gut und spiegelt letztendlich einen liebevollen Umgang mit sich selbst wider.

Die Risikobereitschaft:

Sind Frauen risikoscheu oder neigen Frauen eher zu einer hohen Risikobereitschaft?
Hier habe ich bisher noch kein geschlechterspezifisches Handlungsmuster gesehen. Das Thema Sicherheit bei der Geldanlage beschäftigt in gleichem Maße Männer wie auch Frauen. Keiner möchte sein Geld verlieren. Leider gilt jedoch an den Märkten der Grundsatz:
Je sicherer man sein Geld anlegen möchte, desto niedriger ist die Rendite. Die Rendite einer Anlage ist der Ertrag der jeweiligen Anlage. Die Kosten eines Anlageproduktes, die zu zahlenden Steuern und natürlich die Inflation können den Ertrag schmälern.

Oftmals haben Frauen das Gefühl, sie müssten sich für das eine oder das andere entscheiden.
Hier sehe ich nicht die Notwendigkeit für “radikale” Entscheidungen. Vielmehr gilt das Prinzip der Risikostreuung und des Risikoausgleichs. Eine Ausgewogenheit im Sinne des Anlegers zu finden ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Einseitiges Anlegen ist nie ausgewogen, sodass man seinen Sparbeitrag doch gerne auf verschieden Anlageprodukte verteilen darf. Je nach Risikobereitschaft und Risikotragfähigkeit ist dies möglich.

Glücksmoment  🙂

Das wichtigste ist die richtige Risikoprofilierung. Wenn die eigene Struktur gefunden ist und der Sparbeitrag nun endlich gemäß der eigenen Risikobereitschaft verteilt werden darf, dann kommt Freude auf. Das Gefühl die eigene Struktur gefunden zu haben, die einen ruhig schlafen lässt, ist der Beweis für die richtige Anlagestrategie und ein echter Glücksmoment.

Wie genau der persönliche Fahrplan aussehen kann, ist sicherlich nicht pauschal zu beantworten. Hier gehen Sie lieber auf Nummer sicher und lassen sich unabhängig und neutral beraten. Gerade in Zeiten von Niedrigzinsen ist eine Beimischung von chancenreicheren Anlageprodukten empfehlenswert. Je nach Risikobereitschaft und Risikotragfähigkeit kann man zum Beispiel mit kostengünstigen ETF´s an den Renditen der Märkte teilhaben und auch Glücksmomente erleben.

Erschienen am 27. April 2018

 

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Nicole Kopp, Honoraranlageberaterin

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